Ferro’s AWI Projekt – Teil 1

Ein neues Jahr hat begonnen und als Hobbyist denkt man natürlich auch gerne mal darüber nach, was man sich so fürs Hobby 2019 alles vornehmen möchte. In der Regel bin ich jedoch keiner, der sich im Vorfeld feste Vorsätze macht und diese dann auch konsequent umsetzt (das klappt ja meisten eh nie). Dennoch habe ich mir überlegt, welche Dinge von meinem „Pile of Shame“ ich mir vornehmen könnte. Als dann man bein Blick auf die „Liberty of Death“ Box von Warlord Games geworfen habe, dachte ich mir, die doch mal in Angriff zu nehmen.

 

1) Einleitung

Bei „Liberty or Death“ handelt es sich um eine Box, die vor einigen Warlord Games heraus brachte. Im Grunde legte man damals die Gussrahmen der aufgekauften Wargames Factory zusammen und brachte sie als neue Range für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (engl.: American War of Independence (AWI)) heraus. „Liberty or Death“ war dabei ein zwei Spieler Set, dass zwei Armeen aus dieser Epoche sowie ein paar Goodies enthielt. Insgesamt befinden sich in der Box Gussrahmen für 120 Soldaten der Kontinentalarmee (die Armee der Amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung), 90 Briten (auch oft als Rotröcke bekannt), 30 Hessen (Deutsche Söldner, die auf Seite der Briten kämpften) sowie 30 Milizionäre. Dazu kommen 8 Wald-Indianer, 3 Kanonen sowie 3 Generäle und Gelände in Form eines MDF-Blockhauses, MDF-Zäunen und Kanonenstellungen aus Resin (Schanzkörbe, Erdwälle etc.). Man kann sich wohl vorstellen um was für einen dicken Trumm es sich hier handelte.

 

Die Box lag lange Zeit bei meinem lokalen Einzelhändler und hat wohl auf Grund ihrer Größe (und dem Preis) potentielle Käufer erstmal abgeschreckt. Als dann jedoch im letzten Sommer einige Artikel im Laden deutlich reduziert wurden, habe ich mir die Box gegönnt. Wieso genau, kann ich witzigerweise gar nicht genau sagen. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg war bisher nicht unbedingt mein Metier; sondern eher das unser Vereinsmitglieder SirLeon und Lord Lassa. Zwar hatte ich vor Jahren mich mal an einem Projekt der beiden Beteiligt, bin dann aber schnell wieder mangels Interesse abgesprungen. Aber irgendwie hat mich die Box schon interessiert. Wer mich kennt weiß, dass ich große Boxen und Zwei-Spieler-Sets mag und auch auf viele Figuren auf den Tisch stehe. Bevor sich nun jemand im Rahmen der Preisreduzierung dann doch die Box geschnappt hätte, habe ich also dann doch zugeschlagen.

 

 

Liberty_or_Death_Box001

Die Größe lässt erahnen, was einen erwartet

Später habe ich mich dann ein wenig mehr in den Konflikt eingelesen und schnell ein gewisses Interesse aufgebaut. Verglichen mit dem Amerikanischen Bürgerkrieg oder den Napoleonischen Kriegen aber auch den Europäischen Kriegen des 18. Jahrhunderts ist der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg deutlich kleiner. Gerade darin liegt aber in meinen Augen auch ein wenig der Reiz. Die Kolonien waren den Truppen der Krone meistens deutlich an Ausbildung und Ausrüstung unterlegen, haben es aber dennoch durch gute Organisation, einer Mischung aus offenen Kampf und Guerillakrieg geschafft, den Briten erfolgreich Widerstand zu leisten. Eben weil er nicht so groß war, bietet der AWI daher interessanten Stoff für Gefechte aller Art. Zudem müssen die Armeen nicht ganz so groß sei, da auch die echten Armeen nicht besonders groß waren.

 

2) Der Plan für das Zusammenbauen & Bemalen

Nachdem ich die Box gekauft hatte, war ich erstmal von der Masse ein wenig erschlagen, zumaldie Figuren der Wargames Factory nicht gerade bekannt für ihre Benutzerfreundlichkeit sind. Es sind schöne Plastikfiguren, aber auch ziemlich trickreich zusammen zu bauen. Arme sind meistens per Code gewissen Körpern zugeordnet und passen dann auch nur an diese ohne komische Posen zu ergeben. Hier empfiehlt sich ein genaues Studium des Plans vor dem Zusammenbau. Zudem sollte es vermieden werden, gleich mehrere Bauteile aus dem Gussrahmen zu schneiden, da dies zu Chaos führen kann. Besser man baut eine Figur fertig, macht die nächste usw.

 

Liberty_or_Death_Box002

Und der Inhalt gibt einen dann erstmal den Rest

Ich entschied mich, mit den Figuren der Contiental Army anzufangen, da die etwas schlichter sind als ihre Britischen Gegner. Das liegt auch daran, dass die Kontinentalarmee keine professionelle Armee war, sondern rasch aufgestellt wurde, um den Kolonisten ein Element zur militärischen Durchsetzung der Revolution zu geben. Einheitliche Strukturen gab es da noch nicht und heute ist kaum noch etwas aus dieser Zeit erhalten.  Bei den Briten lässt sich hingegen jedes Regiment gut zurück verfolgen und ist daher auch enger an historische Vorgaben gebunden.

 

Continental_sheet

Auch wenn es unmännlich sein mag: lest die Anleitung, wenn ihr Figuren der Wargames Factory zusammenbaut

Bei 120 Figuren  bot sich eine Regimentsgröße von 20 Mann pro Regiment an. Dadurch kann man sechs Regimenter ausheben, die sich in zwei Brigaden untergliedern lassen. Das passt auch ganz gut zur bereits angesprochenen Dimension des Konfliktes. Meine Bürgerkriegsregimenter haben je 30 Figuren pro Regiment und dadurch mehr Stärke. 20 Mann pro Trupp lassen sich auch angenehm bemalen. Da ich mir aber persönlich nicht zutraue, 120 Figuren am Stück zu bemalen wie manch andere Vereinsmitglieder, entschloss ich mich dazu, erstmal die erste Hälfte an Figuren fertig zu pinseln. Das ist dann ein guter Schnittpunkt um erstmal eine Pause zu machen, wenn ich sie brauche oder weiterzumachen. Leider leide ich ein wenig an der altbekannten Hobby-ADHs und tingle gerne mal von Setting zu Setting je nach Laune. Auf diese weise vermeide ich auch, 120 unbemalte Figuren rumstehen zu haben. Ich kann jederzeit was andere einschieben und das AWI Projekt unterbrechen. Dadurch leidet dann auch nicht die Motivation so sehr.

 

3) Etappe 1

Etappe 1 besteht also aus insgesamt 60 Figuren. Diese habe ich jetzt relativ flüssig im Jänner und Februar 2019 bemalt und dadurch das erste Ziel erreicht. Natürlich darf an dieser Stelle gefragt werden, ob ich bestimmte Regimenter oder Einheiten in meinem Projekt umsetzen will. Aus meinen Projekten für den Amerikanischen Bürgerkrieg ist ja bekannt, dass ich meine Truppen anders als andere Leute im Verein etwas generischer halte. Das hat weniger was mit Recherchefaulheit sondern liegt eher daran, dass ich mich oft für die Gesamtheit eines Konfliktes interessiere und mich daher nicht zu schnell festlegen will. Allerdings möchte ich natürlich trotzdem versuchen, groben Quatsch oder Anachronismen zu vermeiden.

Das 1st New Jersey Infantry Regiment mit Betsy Ross Flagge

Das 1st New Jersey Infantry Regiment mit Betsy Ross Flagge

Daher gibt es ein paar Spielregel zu beachten. Der Amerikanische Unabhängiskeitskrieg begann 1775. Damals waren es eher lokale Milizen, welche sich den Briten entgegen stellten. Bekannt ist hier sicher die Schlacht von Boston und der Kampf um Bunker Hill. Auch wenn diese bis heute einen hohen Stellwert in der Amerikanischen Geschichte einnimmt, war mir dieses Szenario zu früh angesiedelt. Meine Miniaturen sind dafür schon zu einheitlich gestaltet und zu gut bewaffnet (vor allem wegen der Bayonette). Vielmehr bietet sich ein Szenario an, das ab dem Jahre 1778 angesiedelt ist, da hier erste professionelle Strukturen in den Reihen der Kontinental Army auftauchen.

Das 2nd New Jersey Regiment

Das 2nd New Jersey Regiment

Im Winter 1777/78 zog sich George Washington nach Valley Forge zurück und überwinterte dort. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, die durch Tod, Krankheit, Desertation und sonstige Probleme stark dezimierte Kontinentalarmee neu aufzubauen und zu reformieren. Europäische Militärexperten wie der preußische Baron Friedrich von Steuben brachten Struktur und Disziplin in die Armee und sorgten dafür, dass die neue Kontinentalarmee militärisch mit den Briten mithalten konnte. Im Sommer 1778 kam es dann zur Schlacht von Monmouth, wo diese neuen Strategien erstmals eingesetzt wurden. Dieses Szenario wählte ich dann als groben Rahmen für mein Projekt, da man hier nicht viel falsch machen und die Regimenter relativ frei aufziehen kann. Alternativ kann man auch die Schlacht von Brandyvine im Herbst 1877 nehmen (die Armeen waren ähnlich aufgebaut.

Und schließlich das 4th New Jersey Regiment

Und schließlich das 4th New Jersey Regiment

Um nicht zu generisch zu werden, entschied ich mich für die New Jersey Brigade unter William Maxwell. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hier bei um Regimenter, die aus den Milizen der Kolonie New Jersey aufgestellt worden sind. Die Brigade bestand bei Monmouth (und Brandywine) aus 4 Regimentern (oder Bataillonen): dem 1st bis 4th New Jersey Regiment. Alle Regimenter schienen weitgehend das typische Blau/Rot zu tragen, was man mit der Kontinental Army verbindet. Dies wurde zwar nie Einheitlich getragen (wie bereits erwähnt steckte das amerikanische Militärwesen hier noch in den Kinderschuhen), ist aber an den Modell zu verschmerzen. Trickreich wird es nur beim 3rd New Jersey Regiment, dass offenbar eine beige Uniform trug und eine spezielle Fahne. Daher habe ich es hier erstmal ausgeklammert. Vielleicht kam man sich ja irgendwann mal eine Box holen und es der Brigade hinzufügen.

 

4) Welche Regeln?

 

Ich habe jetzt viel über die Regimenter und den Aufbau gesprochen, doch nach welchen Regeln werde ich das denn nun spielen? Als erstes bietet sich hier sicher Black Powder an. Warlords Beliebtes 28mm Table Top wurde erst letzten Herbst in der 2. Edition herausgebracht und natürlich bietet sich an, diese irgendwann mal auszuprobieren. Problematisch ist hier nur, dass Black Powder primär auf große Schlachten zwischen Brigaden ausgelegt ist; ein gewisser Grundstock an Figuren ist also erstmal notwendig.

Black Powder - die Große , alte Dame des historischen Table Tops

Black Powder – die Große , alte Dame des historischen Table Tops

Das gute am historischen Table Top ist aber natürlich, dass man nicht an ein Regelsystem gebunden ist, sondern die Figuren in mehreren System einsetzen kann. Da ich Irrer die Figuren alle einzeln basiere, bin ich hier sogar besonders frei in meiner Auswahl. Osprey veröffentlichte vor einiger Zeit mit Honours of War ein System für kleinere „Kabinettskriege“. Das System behandelt auch den Kampf von Armeen aus mehren Brigaden gegeneinander, ist aber auf eine etwas kleinere Größe zugeschnitten. Zwar ist das System eigentlich nur für den Siebenjährigen Krieg in Europa gedacht, wird aber in der Szene gerne für AWI-Schlachten benutzt.

Honours of War und Rebels & Patriots - Achtung, das links sind keine Continentals sondern Preußen aus dem siebenjährigen Krieg ;-D

Honours of War und Rebels & Patriots – Achtung, das links sind keine Continentals sondern Preußen aus dem siebenjährigen Krieg ;-D

Zum Schluss erschien im Jänner 2019 mit Rebels & Patriots ein neues System für Konflikte in Nordamerika zu dieser Zeit. Es ist eher ein kleineres Spiel, dass Scharmützel zwischen Einheiten darstellen soll und an die beliebten Lion Rampant Regeln anknüpft bzw. deren Weiterentwicklung The Men that would be Kings. Der Vorteil bei diesem System ist ganz klar, dass ich meine bisher fertig gestellten Figuren einsetzen kann und die Truppe schon quasi fertig habe,

 

An dieser Stelle sollte auch noch Muskets & Tomahawks erwähnt werden. Das System ist wegen seiner erzählerischen Komponente sehr beliebt. Eigentlich für den French Indian War (dieser fand einige Jahre vor dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg statt), lässt es sich sehr gut auf den AWI umschreiben. Leider ist jedoch das Regelwerk nur noch schwer zu bekommen bzw. kann wohl nur von Studio Tomahawk direkt bezogen werden. Da ich keine Kreditkarte oder ein Pay Pal Konto habe, ist dies daher erstmal außer Reichweite.

 

5) Wie geht es weiter ?

 

Ich muss noch eine Kanone und den General fertig machen, damit die Brigade fertig wird. An früherer Stelle in dem Artikel habe ich bereits erwähnt, dass ich an diesem Punkt gut mal eine Pause machen kann. Ich bin eigentlich kein Freund von Projekt-Themen, da die selten bei mir das Ende erleben. Allerdings hoffe ich, demnächst das Projekt 2019 abzuschließen. Im März werde ich mich allerdings auch erstmal wieder in ganz andere Sphären begeben und einen Ausflug ins finstere 41. Jahrtausend unternehmen. Doch bereits Ende Märt/ Anfang April soll es weitergehen. Die wachsenden Unruhen in den Kolonien dürfen nicht toleriert werden und die ersten Truppen der Krone warten ausgehoben zu werden :-)

 

 

 

 

Über FerroMetall

Nerd mit Drang zum Bizarren und zur Besserwisserei. Auch bekannt als "Panzer"-Ferro; Pilzesser und Pflanzenfreund. Im Hobby seit 2004.