Bericht: Chain of Command Kampagne – „Schlacht von Overloon“ Spiel 1

Nach einigen Einführungsspielen haben Vereinsmitglied Larsson23 und ich (Ferro) eine Kampagne für „Chain of Command“ begonnen; dem WW2 Tabletop der Two Fat Lardies auf Platoon-Ebene. Als Konflikt haben wir uns dabei die Schlacht um Overloon und Venray ausgesucht. In einer Reihe von thematisch aufeinander folgenden Spielen werden wir unsere Männer ins Feld führen und versuchen, möglichst heil durch diesen Fleischwolf zu bringen, welcher im Herbst 1944 in den Niederlanden nahe der Deutschen Grenze tobte. Doch bevor ich näher auf das erste Kampagnenspiel und die teilnehmenden Streitkräfte eingehe erst mal eine Schippe Gesichte

1. Die Schlacht von Overloon – eine vergessene Schlacht

Im September 1944 versuchten die Alliierten im Westen einen entscheidenden Schlag gegen das nach der Niederlage in der Normandie angeschlagene und langsam zu erodieren beginnende Deutsche Reich zu landen. Mit der Operation Market Garden sollte der stark befestigte Westwall über die noch von den Deutschen besetzten Beneluxstaaten umgangen und der Krieg von Norden aus über den Rhein in das Herz Deutschlands gebracht werden. Auf diese Weise hoffte das Alliierte Oberkommando (SHAEF) den Krieg noch vor Weihnachten 1944 zu beenden.

 

 

Market war dabei der Codename für die groß angelegten Fallschirmlandungen (die größten bis dato), in welcher Amerikanische und Britische Fallschirmjäger wichtige Straßenbrücken über die Flüsse der Niederlande sichern sollten. Diese sollten dann als Korridor für Garden dienen, einer Offensive alliierter Panzerverbände. Leider unterschätze SHAEF die Lage der Deutschen in diesem Gebiet, die stärker und weitaus weniger angeschlagen als gedacht waren. Es kam zu schweren Kämpfen entlang der auch als Hells Highway bekannten Route und die alliierte Offensive schließlich bei Nimwegen zum erliegen. Dadurch waren die Fallschirmjäger der 1st British Airborne Division in Arnheim abgeschnitten. Sie kämpften noch eine Woche verbissen gegen eine Übermacht an Feinden, ehe die Fallschirmjäger kapitulieren mussten. Market Garden wurde abgebrochen und der Krieg sollte noch ein ¾ Jahr andauern.Overloon_Map_alt

Das Gefechtsfeld um Overloon und Venray (Schwarze Flächen sind Wald)

Doch der Abbruch von Market Garden sollte nicht das Ende der Kämpfe in Holland bedeuten. Die Alliierten versuchten nun, den durch Garden gewonnen Korridor zu verbreitern und so auf die Reichsgrenze vorzustoßen. Umgekehrt begannen die Deutschen mit einer Reihe von Gegenoffensiven gegen den alliierten Brückenkopf von Venlo aus. Um diese Gefahr einzudämmen rückten die Alliierten auf die Maas vor. Ziel war die Eroberung Venrays im Westen der Niederlande.

Zwischen Venray und den aus dem Norden kommenden Alliierten lag jedoch das kleine Städtchen Overloon, durch das die Deutsche Front in diesem Gebiet verlief. Zuerst versuchte die Amerikanische 7th Armored Division die Stadt einzunehmen, musste sich aber nach schweren Kämpfen und starken Verlusten zurückziehen. An ihre Stelle trat die Britische 3rd Infantry Division und die 12th Armored Division, welche am 30. September 1944 die Operation Aintree starteten, deren Ziel die Eroberung Venrays war und bis zum 10. Oktober andauern sollte.

In dieser Zeit sollten bis zu 2.500 Soldaten (beide Seiten zusammen) ihr Leben verlieren, was die Schlacht von Overloon zu einer der blutigsten Schlachten auf Niederländischem Boden während des Krieges machen sollte.

2. Die Situation vor dem Ersten Kampagnenspiel

Unsere Kampagne beginnt quasi mit dem Beginn der Kämpfe Ende September/ Anfang Oktober 1944. Die Britischen Truppen stehen quasi vor Overloon, das von den Deutschen gehalten wird. Das Erste Spiel stellt einen der ersten Vorstöße der Briten auf die Deutschen Stellungen dar. Um dies in Chain of Command darzustellen wählten wir die Mission The Probe aus dem Regelbuch als erste Mission dar. Sie stellt quasi ein solches Austesten der feindlichen Linien bzw. ein taktisches Vorrücken auf diese dar. Ziel des Angreifers (in dem Fall die Briten), ist die Linien zu durchbrechen und einen Keil in die Linien des Verteidigers zu treiben. Eigentlich beginnt die Kampagne ja mit der Mission The Patrol aber wir haben uns auf diese Mission geeinigt, da sie besser zur Situation passt und darstellt, wie die Briten im Umland von Overloon auf die Stadt vorrücken.

Das Schlachtfeld vor Overloon. In der Mitte verläuft der Oploseweg. Die Kistenstapel stellen "Jump Off" Punkte dar, von denen unsere Einheiten das Spiel betreten.

Das Schlachtfeld vor Overloon. In der Mitte verläuft der Oploseweg. Die Kistenstapel stellen „Jump Off“ Punkte dar, von denen unsere Einheiten das Spiel betreten.

3. Beteiligte Streitkräfte

Im Gegensatz zu anderen Table Tops hat Chain of Command keine Punktwerte. Der Kern der Armee ist immer das Standard Platoon; also in der Regel drei Squads (aufgeteilt in eine Maschinengewehrsektion, einem Truppführer und einer Gewehr-Sektion) sowie einem oder zwei Anführer und gegebenenfalls leichte Unterstützungswaffen. Weitere Auswahlen wie Fahrzeuge, schwere Waffen etc. werden über den Force Support unterstützt. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht weiter in die Details gehen (evt. werde ich das System später mal in einem gesonderten Artikel vorstellen). Wichtig ist hier erstmal nur, dass unsere Truppen keine Punktwerte etc. haben und relativ klar aufgebaut sind.

Der Deutsche Zug (gespielt von mir)

Unterfeldwebel Johann Schröder (1 Modell; Senior Leader)

Trupp Klinkhammer

Obergefreiter Ludwig Klinkhammer (Junior Leader)

6 Schützen mit Gewehren

1 Maschinengewehrteam mit einem MG-Schützen, einem Lader und einem Gewehrschützen

Trupp Müller

Obergefreiter Heinrich Müller (Junior Leader)

6 Schützen mit Gewehren

1 Maschinengewehrteam mit einem MG-Schützen, einem Lader und einem Gewehrschützen

Trupp Grabowski

Obergefreiter Stefan Grabowski (Junior Leader)

6 Schützen mit Gewehren

1 Maschinengewehrteam mit einem MG-Schützen, einem Lader und einem Gewehrschützen

1 Panzerschreck Team (2 Modelle)

Force Support:

Adjutant Schmitz (kein Modell; der Adjutant steht quasi immer off-Table und unterstützt Trupps beim Reinkommen aufs Schlachtfeld)

1 Kübelwagen (1 Modell)

Das Britische Platoon (gespielt von Larsson23)

Leftenant Alexander Burlington (1 Modell)

Platoon Sergeant Richard Applebloome (1 Modell)

Pearsons’s Rifle Section (Section Green)

Corporal Kenneth Pearson (Junior Leader)

6 Rilfemen mit Rifles

1 Bren Section mit einem Bren-Gunner, Assistant und einem Riflemen

Mac Dunnough’s Rifle Section (Section Red)

Corporal Andrew Mac Dunnough (Junior Leader)

6 Rilfemen mit Rifles

1 Bren Section mit einem Bren-Gunner, Assistant und einem Riflemen

Richardson’s Rifle Section (Section Blue)

Corporal Niqel Richardson (Junior Leader)

6 Rilfemen mit Rifles

1 Bren Section mit einem Bren-Gunner, Assistant und einem Riflemen

1 PIAT Team (2 Modelle)

1 Light Mortar Team (2 Modelle)

Force Support:

1 M5 Stuart/Honney Light Tank (Junior Leader Thomas Pierce)

Zu den Namen: Es ist wichtig in der Kampagne die Zug und Truppführer eindeutig bestimmen zu können, um zum Beispiel Wunden und Verluste zu tracken. Zudem ist es in einer Kampagne natürlich auch stimmiger, wenn die Figuren Namen und Persönlichkeit bekommen, als einfach nur anonyme Plastiksoldaten zu sein. ;-D

4. Das Schlachtfeld

Unser Schlachtfeld stellt die ländlichen Gebiete außerhalb von Overloon dar. Die Briten rücken entlang des Oplose-Wegs von Westen her auf die Stadt zu, ehe sie mit den Deutschen in dieses erste Gefecht verwickelt werden. Das Kampfgebiet besteht aus Feldern, kleinen Wäldchen, Zäunen und Mauern. Halt das typische Wald- & Wiesengelände wie man es in den ländlichen Niederlanden erwarten würde. Der Oploseweg schlängelt sich durch diese Landschaft und es befindet sich die einsame Ruine einer aufgegebenen Werkstatt am Straßenrand.

Spielverlauf

Es forderte etwas Umdenken meinerseits, als ich den eigentlichen Spielbericht schrieb. Bei Chain of Command gibt es keine feste Rundenzahl (also zum Beispiel Spielzug 1 bis Spielzug 6). Es gibt zwar „Runden“, die zum Beispiel durch den Einsatz von „Chain of Command –Dices“ beendet werden können; jedoch stellt dies eher eine Unterbrechung des simulierten Schlachtablaufes dar, indem bestimmte Ereignisse passieren. Aus diesem Grund werde ich im Folgenden eher wichtige Schlüsselpunkte unseres ersten Kampangnenspiels beschreiben und wie diese sich auf das Geschehen ausgewirkt haben.

Trupp Mac Dunnough geht am Waldrand in Stellung

Trupp Mac Dunnough geht am Waldrand in Stellung

Wie jedes Spiel begann das Spiel mit der Patrol-Phase, in welcher beide Seiten versuchen, eine gute Ausgangsposition auf dem Schlachtfeld zu bekommen. Die Deutschen beschlossen dabei, sich entlang des Oplose-Wegs zu platzieren und dort eine Verteidigungslinie einzurichten. Die Briten nutzen ihre Chance und verlagerten das Spiel zu beiden Seiten der Straße, um von dort aus auf das Schlachtfeld zu kontrollieren. Nachdem alle Marker blockiert waren, wurden die Jump Off Points platziert.

Trupp Klinkhammer versucht vim Kornfeld aus auf den Oploseweg vorzustoßen

Trupp Klinkhammer versucht vom Kornfeld aus auf den Oploseweg vorzustoßen

Die Section von Corporal Mac Dunnough positionierten sich auf Befehl von Lieutenant Burlington in einem kleinen Wäldchen entlang der Straße, von dem aus die Bren das offene Feld gut überblicken konnte. Der erfahrene Schotte wusste aber auch, dass ein Vorrücken über das offene Gelände Selbstmord wäre und entschloss sich, erstmal defensiv zu agieren. Als seine Späher Unterfeldwebel Schröder diese Bewegung des Feindes meldeten, orderte der deutsche Zugführer den Trupp von Obergefreiter Müller zu einem Kornfeld am Oplose-Weg, wobei dieser das Maschinengewehr jedoch am Rand des Wäldchens Stellung bezog. Müllers Aufgabe bestand darin, den Briten diese Flanke zu verweigern und einen Durchbruch möglichst lange hinauszuzögern.

Der Stuart unter dem Kommando von Junior Leader Pierce erscheint, um seinen Kameraden Feuerschutz zu geben

Der Stuart unter dem Kommando von Junior Leader Pierce erscheint, um seinen Kameraden Feuerschutz zu geben

Leftenant Burlington reagierte, indem er die Section Green von Sergeant Perason mittig positionierte, um so schnell auf die verlassene Werkstatt vorzurücken. Unterdessen eröffnete McDounugh’s Section das Feuer auf Tupp Müller. Ein Grenadier wurde getroffen und damit zum erste Opfer der Kämpfe. Trupp Müller blieb aber sonst intakt und deckte das offene Feld

Burlington wusste, dass dieser Trupp schnellstens weg musste, da sonst ein Durchbruch auf der linken, britischen Flanke nicht oder nur unter schweren Verlusten möglich war. Aus diesem Grund orderte er die gepanzerte Unterstützung in Form des dem Platoon zugeteiltenM5 Stuarts unter Kommando Thomas Pierce herein. Der leichte Panzer rückte über die Straße vor und eröffnete das Feuer auf die Baumgruppen, wo Müllers Trupp lag. Der Beschuss zerstörte jedoch mehr von der Botanik und verursachte keine Verluste; ebenso das Feuer des leichten Mörsers. Trotz massivem Feuers war die Flanke also nicht gefallen.

Der erste Verlust der Kampagne: ein Grenadier aus Trupp Müller

Der erste Verlust der Kampagne: ein Grenadier aus Trupp Müller

Entsprechend versuchten die Briten eine andere Vorgehensweise. Platoon Sergeant Applebloom rückte mit Phearsons Trupp auf die Werkstatt vor. Als sie diese Stellung jedoch verlassen wollten, gerieten sie unter massives Feuer der Deutschen. Unterfeldwebel Schröder hatte die Trupps Klinkhammer und Grabowski entlang des Obloseweg aufstellen lassen ,da er hier mit dem Hauptangriff rechnete. Es kam zu den ersten, britischen Verlusten und Phearsons Trupp blieb nichts anderes übrig, als sich in den Dreck zu werfen und die Köpfe unten zu halten. Als jedoch der Beschuss zu groß wurde, zog sich Phearsons Trupp wieder zum Ausgangspunkt zurück. 

Die Kämpfe nehmen an Intensität zu. Links oben zieht sich Phearson's Section zurück. Allerdings haben die Deutschen sich zu sehr aufgeteilt

Die Kämpfe nehmen an Intensität zu. Links oben zieht sich Phearson’s Section zurück. Allerdings haben die Deutschen sich zu sehr aufgeteilt

Zuvor hatte Phearson jedoch sein Bren Team vom Squad losgelöst und befohlen, unabhängig von der Rifle Section auf die Werkstatt vorzurücken, so dass diese sich dem Rückzug nicht anschloss. Auch Applebloom blieb auf dem Schlachtfeld und schloss sich dem Bren-Team an. Die Briten vernebelten noch schnell die rechte Flanke mit Rauchgranaten, um den Effekt des feindlichen Feuers zumindest ein wenig zu mindern.

Doch auch wenn die Trupps Grabowski und Klinkhammer den Britischen Durchbruch am Oploseweg abgewendet hatten, offenbarte sich hier ein schwerer, taktischer Fehler in Schröders Planung. Da er fälschlicherweise hier mit dem Britischen Hauptangriff gerechnet hatte, befand sich ein Großteil seines Zuges an der linken Flanke des Schlachtfeldes (aus Deutscher Sicht). Es gab keine Reserven mehr, welche den Stark unter Feuer geratenen Trupp Müller auf der rechten Seite unterstützen konnten.

Feldwebel Müller fällt im Kampf. Leuntant Schröder versucht, die Ordnung wieder herzustellen und begibt sich dabei selbst in Gefahr

Feldwebel Müller fällt im Kampf. Leuntant Schröder versucht, die Ordnung wieder herzustellen und begibt sich dabei selbst in Gefahr

Burlington erkannte diese Schwachstelle und befahl allen verbliebenen Kräften einen Vorstoß entlang der britischen Seite. Er ließ einen großen Teil des Oploseweg durch Rauchgranaten einnebeln und schnitt so Müllers Trupp vom Rest des deutschen Zuges effektiv ab. Der Schock auf Deutscher Seite kam dann, als Müller selbst getroffen wurde und kurz darauf seinen Verletzungen erlag. Dieser Umstand zwang Unterfeldwebel Schröder, sich an vorderste Front zu begeben, um die Führung über den Trupp zu übernehmen.

Währenddessen schickte Leftenant Burlington seine letzten Reserven in die Schlacht. Richardson’s Rifle Section schloss zu der von Mac Dunnough auf und gemeinsam rückten sie nun über das offene Feld und unter dem Schutz der Nebelwand vor, zumal auch das MG aus Müllers Trupp ausgeschaltet worden war. Pierce Stuart-Panzer eröffnete noch mal das Feuer, konnte aber wieder nicht viel Schaden anrichten.Spiel1_008

Unterfeldwebel Schröder kam jedoch bei diesem Vorrücken der Briten nur knapp mit dem Leben davon, da auch eher mehrmals unter Feuer geriet. Schließlich erkannte er, dass die Linien nicht mehr zu halten war und orderte seinen Zug zum Rückzug an.

Das erste Spiel der Kampfange endete mit einem Sieg der Briten.

5. Nachbetrachtung

Was bedeutet dieses Ergebnis nun für die Kampagne? Durch den Sieg der Briten konnte die Kampagne zur Rückeroberung Overloons und Venrays quasi richtig begonnen werden. Hätten die Briten das Spiel verloren, stünden sie in der nächsten Runde quasi schon mit dem Rücken zu Wand. Nun haben sie etwas taktische Initiative gewonnen und können den Vormarsch auf Overloon beginnen.

Für die Deutschen hat die Niederlage noch keine gravierenden Folgen. Der größte Rückschlag ist aber sicher der Verlust von Leutnant Müller, dessen Posten im nächsten Spiel von einem unerfahreneren Mann übernommen werden muss. Es wird sich zeigen, wie dieser Umstand sich auf das Platoon auswirken wird.

6. Kurzusammenfassung Spiel 1

Ergebnis: Sieg der Briten durch Rückzug des Feindes

Verluste Briten: 4 Mann

Verluste Deutsche: 7 Mann (darunter ein Junior Leader (Obergefreiter Heinrich Müller)

Über FerroMetall

Nerd mit Drang zum Bizarren und zur Besserwisserei. Auch bekannt als "Panzer"-Ferro; Pilzesser und Pflanzenfreund. Im Hobby seit 2004.