Grundieren – ehegattenfreundlich

Toleranzgrenzen

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe eine ausgesprochen tolerante Ehefrau, was das Hobby angeht. Ich habe regelmäßig die Möglichkeit, in der Wohnung zu malen, zu basteln und zu spielen, fahre auf ganztägige Events und beschäftige mich ganz grundsätzlich in meiner freien Zeit viel mit dem Hobby, ohne dabei auf ehelichen Gegenwind zu stoßen – meine Frau ist eben die Beste!

Aber diese Toleranz muss auch gepflegt werden. Wenn der Mal-Kram zu lange im Wohnzimmer herumsteht oder sich die Regelwerke auf dem Esstisch stapeln, stößt das zwangsläufig irgendwann auf Unmut, denn meine bessere Hälfte hat mit meinem Hobby ansich nichts am Hut und teilt diese Begeisterung für kleine Soldaten nicht. Daher versuche ich, mich so zu organisieren, dass ich sie bei der intensiven Ausübung meiner liebsten Freizeitbeschäftigung nicht allzu sehr störe.

 

Spurloses Grundieren

In der Vergangenheit sorgte gelegentlich das Grundieren auf unserem Balkon für leise Verstimmungen. Es ist eben ein Vorgang, der Zeit und Platz braucht, dabei vor allem komischen Geruch und ggf. Dreck verursacht. Nervig halt. Mal waren Farbspuren auf dem Boden, mal flog der ganze Kram zu lange herum – meine Frau fand es jedenfalls nie besonders lustig, also musste eine vernünftige Lösung her. Ein ordentlicher Stauraum und ein solider Farbschutz mussten in Einklang gebracht werden. Fündig wurden wir bei einem schwedischen Möbelhersteller, wobei es sicher auch andere Anbieter gibt.

Gr 01

Es handelt sich um eine Kiste, die sich schnell zusammenbauen ließ. Das Möbelstück ist für den Garten geeignet, also nicht sehr witterungsanfällig. Außerdem ist es obendrein noch als Sitzbank für zwei Personen geeignet und nicht allzu platzeinnehmend.

Gr 02

Um den Inhalt vor der Witterung zu schützen – wobei unser Balkon eh nicht zur Wetterseite liegt – habe ich eine Transportdekce aus dem Baumarkt oben auf dem Inhalt der Kiste gelegt. Die erfüllt nebenbei noch den Zweck, dass man das ganze Zeug nicht von außen sehen kann. Vor allem wird diese Decke aber für das spurlose Grundieren gebraucht. Frau will ja hinterher keine gepunkteten Gartenmöbel haben…

Gr. 02

Da es jetzt auf den Sommer zugeht, ist das hier noch alles recht simpel gehalten. Die Kiste mit den Sprühdosen werde ich wohl noch durch eine Kunststoffbox ersetzen. Bisher lagerten die Dosen aber in unserer Balkon-Kammer, waren vor Kälte also eh nicht geschützt und Probleme hatte ich damit noch nie. Dabei war der letzte Winter gar nicht mal so schwach auf der Brust. Ich nehme die Dose einfach immer vorher für einige Zeit mit in die Wohnung, dann geht das schon. Grundieren tue ich meist an milderen Tagen, weniger wegen der Figuren oder der Farbe, sondern wegen mir und meiner Gesundheit…

Die drehbare Servierplatte und der alte Umzugskarton sind ebenfalls für den Farbschutz wichtig. Den Karton musste ich etwas kürzen, damit er in die Bank passt. Das mindert den Farbschutz etwas ab, man sollte also auf den Wind achten. Außerdem benutze ich Gummihandschuhe beim Grundieren – auch sehr hilfreich.

Das ganze Material passt – wie ihr seht – in die Sitzbank.

 

Gr 04

So sieht das ganze dann in Aktion aus. Die Decke kommt auf unseren Gartentisch, der Karton oben drauf. Die Decke ist so groß, dass ich sie hinten über den Karton ziehen kann, sie vorne aber auch noch weit herunter hängt und die Seiten mit abdeckt. Die Platte kommt in den Karton, die zu grundierenden Modelle stelle ich dann auf die Platte. Beim Grundieren kann ich diese dann drehen und die Miniaturen von allen Seiten gleichmäßig grundieren. Anschließend stelle ich die Miniaturen auf den Karton, bis alle Modelle grundiert sind. Dann kommen die Miniaturen wieder in den Karton und die Decke wird, wie ein Vorhang, vor die Öffnung gezogen. So können die Modelle trocknen, ohne dabei von Pollenstaub verunreinigt zu werden.

Nach etwa 30-60 Minuten kann ich dann die Miniaturen in die Wohnung holen und alles wieder in der Sitzbank verstauen.

Happy Wife – Happy Life!

Über Sir Leon

Mehr Spieler als Maler, mehr Sammler als Fertigsteller, seit 1995 im Wargaming-Hobby, starke Tendenz zu historischen Systemen und Massenschlachten. Trotzdem ist 28mm der bevorzugte Maßstab. Großes Interesse für das 18. und 19. Jahrhundert in Nordamerika und das europäische Mittelalter. Kommt beruflich aber zu selten zum Spielen und hält sich daher mit (alt)klugen Worten im Blog oder Foren bei der (Hobby-)Stange.