D-Day Thementag: Operation Goodwood im Miniaturformat

– 6th of June 1944; Allies are turning the war –

Der sechste Juni ist für jeden Table Topper, der sich mit dem Thema WW2 beschäftigt, ein besonderer Tag, denn er ist der Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie. An diesem Tag landeten tausende alliierte Truppen an den Stränden der Normandie und durchbrachen nach schweren und verlustreichen Kämpfen den sog. Atlantikwall der Deutschen. Dies war der Auftakt zur Schlacht in der Normandie, die sich noch bis in den August hinziehen und viele Opfer fordern sollte. Am Ende gelang es den Alliierten aber, Frankreich zu befreien und damit den Anfang vom Ende der Deutschen Besatzung Europas einzuleiten.

Dutzende Britischer Panzer treten an zur Schlacht

Zahlreiche Britische Panzer treten an zur Schlacht

Auf Grund der vielen WW2 Wargamer und Systeme (Bolt Action, Flames of War, TANKS etc.) im Verein haben ich mir auf Grund dieses Datums überlegt, ob wir dieses Jahr nicht auch mal was großes im Rahmen der D-Day Wochen aufziehen sollten. Entsprechende Vorschläge postete ich ins Forum und bekam unterschiedliches Feedback. Bei Bolt Action lieferte ich mir mit unserem Präsidenten Entil Zar ein spannendes Spiel, bei dem meine Briten ein kleines, französisches Dorf aus den Händen seiner Deutschen befreien konnten. Dieses Dorf setzte sich aus dem bereits hier vorgestellten Gelände des Präsidenten zusammen und war für sich alleine schon ein spektakulärer Anblick

Die Deutschen beziehen Verteidigungspositionen

Auch die Deutschen beziehen Verteidigungspositionen

 

Bei Flames of War griff unser Veteran Andreas (Pantherking im Forum) meinen Vorschlag auf, anlässlich des D-Days ein besonders großes Flames of War Spiel, ein sogenanntes Total War Game zu machen. Bei dieser Art Spiel treffen gleich mehrere Armeen in einer wahrhaft großen Schlacht aufeinander, welches mitunter einen ganzen Tag dauern kann. Mitspieler wurden gesucht und gefunden, auch wenn es schwierig war, einen Tag zu finden, an dem alle auch Zeit hatten. Dadurch fiel das Spiel in den Juli, was aber nicht weiter tragisch war, da die Schlacht um die Normandie ja eh bis August dauerte. Andreas schlug vor, das wir als Thema für unser Total War Game die Britische Operation Goodwood nehmen sollten. Dies bot sich an, da wir viele Fahrzeuge auf beiden zusammen stellen und aus einem breiten Fundus  an Einheiten schöpfen konnten.

Für den genauen Hintergrund dieser Operation nun eine Schippe Geschichte.

1. Eine Schippe Geschichte: Operation Goodwood

Goodwood war der Deckname einer Britischen Operation, welche am 18. Juli 1944 begann und das Ziel hatte, die Deutschen Truppen südlich der Stadt Caen zu vernichten. Caen war bereits seit dem D-Day schwer umkämpft und noch immer leisteten die Deutschen hier erbitterten Widerstand.  Die Operation sollte von drei Britischen Panzerdivisionen ausgeführt werden. Insgesamt verfügten die Briten über 6.000 Fahrzeuge (davon über 1.000 Panzer). Ihnen gegenüber lag vor allem die 21. Panzerdivision, die bereits in Afrika gekämpft hatte und u. a. Französischer Beutefahrzeuge besaß. Unterstützt wurden Sie von der schweren Panzer-Abteilung 503, welche mehrere der berüchtigten Tiger-Panzer besaß.

Olive Drap Overdrive: Drei Britische Panzerkompanien setzen sich in Bewegung.

Olive Drap Overdrive: Drei Britische Panzerkompanien setzen sich in Bewegung.

 

Die Alliierten eröffneten die Operation mit einem massiven Bomberangriff, ehe sich die Kolonnen aus Fahrzeugen in Bewegung setzten. Das erwies sich jedoch als ungewohnt schwierig, da nur wenige intakte Brücken zur Verfügung standen und sich die Britischen Panzerverbände über enge Wege vorabreiten mussten. Da offenen Gefechtsfeld bot den Deutschen zudem einen klaren Vorteil und die Allierten erlitten schwere Verluste, während sie langsam nach Süden vordrangen. Heute kann nicht genau gesagt werden, ob Goodwood nun ein Erfolg war oder nicht. Die Allierten verloren mehr als die Hälfte ihrer Panzer, doch anders als die Deutschen, konnte der Verlust an Mensch & Material schnell wieder ausgeglichen werden. Zudem band Goodwood Truppen der Deutschen und erleichterte so den Amerikanischen Ausbruch aus der Normandie im Rahmen der verzögerten Operation Cobra.

2. Spielfeld & Aufbau

Unser Spielfeld bestand im Grunde auf zwei etwas versetzt zueinander aufgestellten 4×6 Platten. Wir versuchten, das Gelände von Operation Goodwood so gut wie es ging nachzustellen. Daher war die Fläche relativ offen und wurde in erster Linie von Kornfeldern und kleinen Wäldchen dominiert. Auf der Deutschen Seite erbauten wir ein kleines Dorf, in dem sich auch die für die Briten einzunehmenden Missionsziele befanden.

Das Gefechtsfeld aus sich der Briten. In der Mitte ist das einzunehmende Dorf zu sehen. Rechts der Wald, der noch eine große Rolle spielen wird.

Das Gefechtsfeld aus sich der Briten. In der Mitte ist das einzunehmende Dorf zu sehen. Rechts der Wald, der noch eine große Rolle spielen wird.

Die Briten traten mit drei Kompanien an; geführt jeweils von Andreas (11th Armored Division), Ian (Guards Armored Division) und Vince (7th Armored Division). Alle stellten einen Teil ihrer Armee auf und ließen einen weiteren Teil in Reserve. Die Deutschen hatten zu Beginn nur eine Infanterie-Kompanie der 21. Panzer-Division auf dem Tisch (eigentlich Panzergrenadiere aber ohne Transporter). Sie wurde von mir übernommen. In Reserve befanden sich zwei Panzerkompanien, von der Thomas (Schuffi) eine übernahm und ich die andere (die Deutschen hatten einen Spieler weniger). Diese Reserven waren Scattered, mussten also Würfeln von welcher Kante des Tisches sie kamen. Gespielt wurde noch nach V3.

3. Spielablauf

Ich werde jetzt nicht jeden einzelnen Spielzug und seine Besonderheiten aufgreifen. Dazu kann ich mich auch nicht mehr an alle Details erinnern. Es sei nur gesagt, dass es ein wildes Spiel war, bei dem viel gelacht, geflucht aber auch gesungen und ermahnt wurde, möglichst keine Haufen auf dem Tisch zu machen (fragt nicht *g*). Die Würfel waren beiden Seiten mal hold und mal haben sie den Spieler verspottet, auch wenn die Deutschen etwas mehr Würfelglück für sich gepachtet haben.

Trotz erster Verluste rücken die Briten im Zentrum vor

Trotz erster Verluste rücken die Briten im Zentrum vor

 

Taktisch gesehen walzten die drei Britischen Panzerkompanien wie eine grüne Wand nach vorne und ließen sich von diesem Vorhaben auch nicht durch gegnerisches Feuer und erste Verluste abbringen. Als Problem stellte sich jedoch eine Gruppe Wälder heraus, welche auf der linken Seite (aus Deutscher Sicht)  die 11th Armored Division (Andreas) ein wenig vom Rest der Armee abschnitten. Die dort im Hinterhalt liegenden Tiger I Panzer bekleckerten sich zwar nicht mit Ruhm in puncto Abschüsse, stellten aber zusammen mit einem von Pionieren gelegten Minenfeld ein zähes Hindernis da, dass die 11th nicht kacken konnte, bevor die gepanzerte Verstärkung eintraf.

Die Tiger im Wald und das Minenfeld bremsen die Flanke der Briten

Die Tiger im Wald und das Minenfeld bremsen die Flanke der Briten

 

Ians Guard Divsion stießt am weitesten ins Dorf vor und tat alles, um die Stellung zu halten, mussten sich aber mangels Unterstützung zurückziehen. Vince versuchte mit den „Desert Rats“ der 7th Armored Divsion mehrere tollkühne Versuche, den Deutschen östlich des Dorfes in die Flanke zu fallen und das dortige Missionsziel einzunehmen. Dabei schlug er sich als FoW-Neuling gut, scheiterte jedoch an der unerwartet hohen Zähigkeit meiner 88er Stellung, die immer wieder durch unverschämtes Würfelglück der Vernichtung entgingen.

Trotz Verluste preschen die "Wüstenratten" vor

Trotz Verluste preschen die „Wüstenratten“ vor

 

Am Ende sammelten sich immer mehr rauchende und brennende Panzerwracks auf dem Spielfeld, ehe wir nach 6 Stunden erbitterten Kämpfen in der Hitze von Thomas Dachwohnung das Spiel beendeten und uns auf einen taktischen Sieg der Deutschen einigten, für die es jedoch auch ein ziemlicher Pyrrhussieg geworden war. Auch bei den Befehlshabern hatte die lange Materialschlacht Spuren hinterlassen. Ian war erschöpft, Thomas Kopf rauchte und ich hatte meine Sprache vergessen und redete irgendein Gemisch aus Deutsch & Englisch.

4. Fazit

Die Operation Goodwood war mein erstes Total War Game und entsprechend beeindruckt hat mich die Masse an Modellen, die man auch in 15 mm auf die Platte stellen kann. Da ich ja der ursprüngliche Anstößer dieses D-Day basierten Spiels war, freue ich mich natürlich, dass mein Vorschlag aufgegriffen und schlussendlich in die Tat umgesetzt wurde. Das Spiel an sich war auf Grund seiner Größe natürlich etwas chaotisch und stellenweise hektisch, was mich aber nicht weiter störte. Bei solchen Spielen geht es meiner Meinung nach nicht allein darum, jede Regel bis in genauste auszulegen, sondern darum, das Spiel als Event (sowohl in Bezug auf die Größe und den Hintergrund) zu erleben.

Die Materialschlacht forderte ihren Tribut

Die Materialschlacht forderte ihren Tribut

 

Allerdings gab es auch einige kleinere Kritikpunkte, die beim gemeinsamen Essen nach der Schlacht klar wurden. Zum einen war das Gelände für die Briten etwas nachteilig aufgebaut worden. Der besagte Wald stellte in Kombination mit den darin getarnten Tigern einen hart zu knackenden Riegel da, durch den die Britten schon vor der Tischmitte ausgebremst wurden und erschöpft beim Dorf ankamen, so dass hier die Kraft für den finalen Showdown fehlte. Hier wäre es vielleicht besser gewesen, auf den Wald zu verzichten und auch die Deutsche Aufstellung in der Hinsicht zu begrenzen, dass keine schweren Panzer gleich schon so früh auf den Tisch stehen. Aber Andreas als Spielleiter hat seine Schlüsse gezogen und ich bin sicher, dass es nicht das letzte Spiel dieser Art war.

Trotz dieser Kritikpunkte ein sehr schöner Tag mit Vereinsmitgliedern, bei dem wir mal so richtig aus den vollen schöpfen konnten und ich mich schon auf das nächste FoW-Spiel freue, auch wenn es dann vielleicht nicht mehr ganz so groß ist.

Hinweis: Bilder ohne meine Tag wurden von Andreas zur Verfügung gestellt und dürfen von mir benutzt werden. 

Über FerroMetall

Nerd mit Drang zum Bizarren und zur Besserwisserei. Auch bekannt als "Panzer"-Ferro; Pilzesser und Pflanzenfreund. Im Hobby seit 2004.