Review: Gebäude von Charlie Foxtrot Models

Meine kleine (noch namenlose) 28mm Stadt für Bolt Action ist ein wenig wie die Wuppertaler Fertighausausstellung…nein, nicht der Ansiedlung eines IKEA geopfert sondern hauptsächlich Pressholz von verschiedenen Anbietern. Diesem bunten Sammelsurium aus Sarissa, 4Ground und PlastcraftTerrain schließen sich zwei Neuzugänge an: Die Brasserie und eine Häuserzeile (Table Edge Terrace) des britischen Anbieters Charlie Foxtrot Models. Aufmerksam auf die Firma wurde ich über einen Post auf theminiaturespage.com, es ging um eine damalige Neuheit zum Thema Britisch Civil War als das Thema bei uns im Club grade der aktuelle Shit-of-the-Week™ war. Neugierig auf einen neuen Impuls durch einen (mir) fremden Anbieter durchblätterte ich den Webshop, liebäugelte mit ein paar Dingen und suchte nach Gründen nicht dort zu bestellen. Als ich dann noch las das CFM auf die Crisis als Austeller kommen würde war die Entscheidung klar und ein paar Dinge wurden zur Abholung in Antwerpen vorbestellt.

Die Brasserie sollte meine Stadt etwas belebter machen, eine Kneipe bzw. ein Restaurant fehlte mir bisher noch. Bei der Häuserzeile dachte ich zuerst nur daran möglichst einfach Lücken zu füllen und die Strassen bebauter zu gestalten. Nahezu begeistert war ich als ich sah, dass es die Häuserzeile in zwei Versionen gab. Einmal „normal“ mit Vorder und Rückseite und eine 2/3-Version, quasi wie eine Filmset Version ohne Rückwand mit geringerer Tiefe. Auf diese Weise stehen die Gebäude nicht mehr so dicht am Strassenrand aber aus Figurenperspektive ist die Illusion eines „richtigen“ Strassenzugs intakt…und sie ist fast 3 Pfund billiger.

Die Bausätze

Die Modelle kommen in transparenten Folienbeuteln. Alles Teile sind bereits komplett ausgelasert, es gibt keine Rahmen, alles liegt lose bei. Neben dem Modell gibt es eine A4-Anleitung und ein paar Anbauteile aus Polystyrol (Schornstein-Enden und Firstabdeckung). Vereinzelt sind in Fensterrahmen noch die Inserts enthalten aber diese lassen sich ohne Werkzeug entfernen. Stege, die noch durchtrennt oder plan geschliffen werden müssen, gibt es keine. Haus01
Die Anleitung ist hauptsächlich in Textform (englisch). Es gibt nur eine Skizze für die Schornsteine, die Gauben und (bei der Brasserie) die Anordnung der Bauteile für den nach hinten versetzten Eingang. Für jemanden der wenig Praxis mit MDF-Bauten oder der englischen Sprache (und den Fachbegriffen) hat ist dies sicher ein Manko. Generell sind beide Bausätze „schnörkellos“ sowohl in Design als auch im Bau (hierzu aber mehr im Fazit). Problematisch bzw. Aufwändig ist der Einbau der Gauben. Hier muss an der unteren Kante geschnitten und geschliffen werden um einen glatten Abschluss mit dem Dach zu bekommen. Bei der Brasserie ist dies unvermeidlich da die Position angelasert ist, bei der Häuserzeile könnte man darauf verzichten, das Schindelmuster ist durchgängig und die Position der Gauben komplett frei.

Markiert sind die Überstände die entfernt werden müssen. Scharfes Werkzeug und Vorsicht sind unabdingbar

Scharfes Werkzeug und Vorsicht sind unabdingbar

Die einzelnen Etage der Brasserie sind einfache offene Schachteln, um ein Verschieben zu verhindern muss man auf die Unterseite der ersten Etage zwei Plättchen kleben. Dies kann etwas fummelig sein.

Andere Anbieter arbeiten meist mit Zapfen die in das Geschoss darüber greifen

Andere Anbieter arbeiten meist mit Zapfen die in das Geschoss darüber greifen

Der Zusammenbau der Hauserzeile geht noch einfacher, hier tritt nur das Gaubenproblem zusätzlich an den Schornsteinen auf.

mittig: bei den Schornsteinen müssen je zwei Seiten beigearbeitet werden

mittig: bei den Schornsteinen müssen je zwei Seiten beigearbeitet werden

Haus05

Noch nicht angebracht sind bei beiden Häusern die optionalen Schlagläden (auch MDF)

Beide Gebäude haben glatte schmucklose Fassaden, CFM empfehlen einen Strukturputz aufzubringen. Bei der Brasserie habe ich Abtönfarbe selber mit Vogelsand vermengt, bei der Häuserzeile eine fertige Strukturfarbe genutzt. In beiden Fällen sollen Fenster und Türen nach der Bemalung eingeklebt werden. Bei beiden Häusern erwies es sich teilweise als Herausforderung die Fenster einzusetzen. Auch ohne das sich Farbe o.ä. dort befand sind die Öffnungen derart spack und eng das man die Fenster nur exakt(!) parallel einsetzen kann (kein Verkanten möglich). Oft sitzen Sie derart stramm dass kein Kleber notwendig ist oder man fürchtet die Rahmen beim Einsetzen zu zerbrechen. Ich konnte sie am besten von innen einsetzen, musste teilweise mit einem Hammerstiel klopfen.

Fazit

Charlie Foxtrot Models hat eine große Auswahl an vielfältigen Gebäuden und Extras wie Zäunen, kompletten Innenhöfen und allem möglichen Zeugs zum Austaffieren und Dekorieren. Besonders Häuser wie die Schule, die vielfältigen Läden oder die Reihe für den spanischen Bürgerkrieg zeigen viel Kreativität beim Design. Leider (!) kommt und geht viel davon durch die Bemalung. Es fehlt die Innengestaltung eines 4grounds oder die nachträglichen Fassadendetails (entweder durch Laserung oder nachträglichen Auftrag mittels Karton oder MDF-Bits) anderer Anbieter wie Sarissa oder TTcombat. Bei Gebäuden mit abnehmbaren Geschossen bleibt das Problem das nach Auftrag eines Deko-Putzes immer ein Spalt zwischen den Geschossen bleibt (dies erkennt man auch auf den Bildern im Shop). Positiv anzumerken ist der Preis und ich konnte auf der Crisis erleben dass das Team von CFM mit Spass und Begeisterung bei der Sache ist. Wenn man über die zuerst genannten Makel hinwegsehen kann und sich mehr Mühe bei der Bemalung geben kann und will als ich, für den ist Charlie Foxtrot Models eine interessante Ergänzung zur immer größer werdenden Riege der MDF-Anbieter

In diesem Sinne,

Kreativität ist, sich selbst Fehler zu erlauben; Kunst ist, zu wissen welche man behält

– Scott Adams („Dilbert“-Zeichner )

Link: https://www.charliefoxtrotmodels.com/

Über Entil Zar

Gründungsmitglied und amtierender Präsident des Vereins. Wenn er grade nicht die Weltherrschaft des Games'n Dice plant verfolgt er tapfer und fleißig sein Ziel niemals mit unbemalten Figuren zu spielen.