Review: Saint-Mère-Église von Plastcraftgames

Ein wesentlicher Aspekt des Wargaming ist immer die Präsentation. Neben hübsch bemalten Figuren gehört ein schönes Spielfeld für viele Leute einfach dazu. Natürlich gibt es Systeme und Spieler die der Einfach- und Deutlichkeit halber “saubere” Tische bevorzugen aber grade die aufwändigen, an Dioramen erinnernden Tische sind doch diejenigen welche auf Messen und Conventions die meiste Aufmerksamkeit erreichen.

Als ich vor einigen Monaten die erste Ankündigung von Plastcraftgames sah eine fertig bemalte/bedruckte Kirche im Stile der berühmten Kirche im französischen Saint-Mère-Église herauszubringen dachte ich mir, “das wird DAS imposante Centerpiece meiner Platte”. Größe, Wuchtigkeit und die schiere Fläche die eingenommen wird sollte das Stadtbild meiner Sammlung aus 4ground- und Sarissa-Gebäuden komplettieren.

Die Vorlage aus der Normandie

Die Vorlage aus der Normandie

Zuerst war ich skeptisch da vor allem die frühen Modelle von PCG (so wie die frühen Modelle der Carnivale-Reihe) zwar nett aussahen, dies aber vor allem den Studiomalern geschuldet war, die aus den glatten und langweiligen weißen Plasticcard-Flächen beeindruckende Effekte herausholten. Ich las aber über gute Erfahrungen mit den neuen bedruckten Elementen welche z. B. für Malifaux erschienen und ging das Risiko ein und bestellte direkt in Spanien.

Kirche_1

Etwa eine Woche später traf das Päckchen ein. Bedauerlicherweise enthielt der Karton keine Aufbauanleitung. Dieses ahnte ich aber bereits und hatte mir die Anleitung schon zur Vorbereitung geladen und ausgedruckt. Dennoch sehe ich hier einen kleinen Minuspunkt. Besonders gut gefallen haben mit die transparenten Buntglasfenster, erinnerte mich das Material doch frappierend an die gute alte Overhead-Folie aus Schulzeiten.

Eine Erinnerung an Zeiten als ein "Beamer" ein anderer Name für den Transporter der Enterprise war

Eine Erinnerung an Zeiten als „Beamer“ ein anderer Name für den Transporter der Enterprise war

 

Alle Elemente bestehen aus mausgrauem dickem Plasticcard. Das Material hat eine leicht schaumige Anmutung ist aber sehr stabil und gibt auf Druck nicht nach. Alle Teile sind gut vorgeschnitten nur an wenigen Punkten ist der Schnitt unterbrochen. Zum Herauslösen empfiehlt sich ein scharfes Bastelmesser oder Skalpell sonst besteht die Gefahr beim herausbrechen den Druck zu beschädigen. Der Druck selber ist deutlich und farbintensiv, das finisch ist eher seidenmatt glänzend. Wer will, sollte also am Ende besser mit etwas Mattlack den Kunststoffglanz reduzieren. Alle Elemente sind nur einseitig bedruckt, und so eindrucksvoll verwittert und gemauert die Kirche auch von außen aussieht, so blank betongrau ist sie von innen. Lediglich die Bodenplatten weisen Dekor auf. Bei den Türen ist es vorgesehen die Bedruckten Elemente hinter die Öffnung zu kleben, ich habe sie offen gelassen und anschließend die “Tür” mit etwas Tape fixiert.

Kirche_3

Der Aufbau nach Anleitung ist flüssig, wer Erfahrung mit MDF Häusern hat wird keine Schwierigkeiten haben. Die Zapfen sitzen zum Teil etwas stramm aber da das Material etwas federt musste ich an keiner Stelle nachschneiden oder Öffnungen weiten. Zum Kleben habe ich (wie von PCG empfohlen) Sekundenkleber genutzt. Lediglich für die Fenster nahm ich wegen der Dampfe und der Gefahr von Trübungen die gute alte Flinke Flasche von UHU.

Stichwort Fenster: Obwohl diese laut Anleitung erst am Ende eingeklebt werden sollen empfinde ich es als deutlich einfacher dies zur Beginn zu tun wenn die Wandteile noch einzeln flach auf den Tisch gelegt werden können. Es ist dann deutlich simpler sie exakt einzupassen und man saut nicht so mit dem Kleber herum. Ich habe die Fenster mit dem Druck nach außen eingeklebt. Dadurch haben sie von außen etwas Struktur (wie bei Bleiglas üblich) und glänzen nicht.

Ich bin mir übrigens der Ironie bewußt die Türe mit Panzertape eingeklebt zu haben

Ich bin mir übrigens der Ironie bewußt die Tür mit Panzertape fixiert zu haben. Ob’s gegen die Wehrmacht hilft wird sich zeigen müssen *g*

 

Nach dem Zusammenbau kann das Dach im Turm komplett, an den Seiten jeweils halbseitig entfernt werden. Es ist somit auch möglich das Innere der Kirche zu bespielen. (Ich meine mich zu erinnern das 4ground für seine Wild-West Kirche eine Bestuhlung anbietet).

Kirche_5

Zusammengebaut ist die Saint-Mère-Église von Plastcraftgames ein echter Trumm, auch wenn seine Maße nicht exakt dem Original (der Église Notre-Dame-de-l’assomption) in der Normandie entsprechen. Der Turm hat eine Gesamthöhe von 30 cm, an der längsten Stelle ist sie 43 cm lang. Die Breite beträgt maximal 26 cm. Durch die Höhe überragt sie jedes Haus von Sarissa oder 4Ground das ein Obergeschoss und einen Dachstuhl hat.

Kirche_6a

Alles in allem bin ich sehr beeindruckt, auch wenn Kleinigkeiten stören können (wie z.B. die sichtbaren ungedruckten Stellen an den Mauervorsprüngen, das Fehlen der Anleitung oder der schlichte Innenraum. Auch das immer mindestens eine Dachhälfte eingeklebt ist kann den Spielfluss hindern. Anderseits bin ich bereit diese Makel zu akzeptieren und freue mich sehr auf die ersten Spiele. Schon das Erstellen der Dioramen für die Bilder hat sehr viel Spaß gemacht.

Kirche_Scenerie1

In diesem Sinne,

A Purple Heart just proves that were you smart enough to think of a plan, stupid enough to try it, and lucky enough to survive. – Unbekannt

 

Quelle zum Foto der Vorlage: Elliesram13 – en.wikipedia.org – CC-BY-SA 3.

Über Entil Zar

Gründungsmitglied und amtierender Präsident des Vereins. Wenn er grade nicht die Weltherrschaft des Games'n Dice plant verfolgt er tapfer und fleißig sein Ziel niemals mit unbemalten Figuren zu spielen.