Vergleich und Erfahrungen Vallejo vs. AMMO by Mig Jimenez

Im folgenden Artikel möchte ich von meinen Erfahrungen im Umgang mit den Primern von Vallejo und mig berichten.

Bevor es losgeht noch ein kleiner Disclaimer, quasi in eigener Sache: Ich bin, was die Airbrush angeht, bestenfalls ein mittlerweile routinierter Standardanwender. Ich nutze mein eher simples Equipment (eine Iwata Neo) hauptsächlich zum Grundieren, flächigem Auftrag von Grundfarben und Tarnschemata auf Fahrzeugen. Vieles von dem was ich schreiben werde ist in höchstem Maße subjektiv und in einfachen Worten gehalten…wenn auch manchmal in fiesen Schachtelsätzen *g*

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Beide Flaschen in der 60 ml-Größe

Den Großteil meiner Arbeiten habe ich mit den Primern von Vallejo gemacht, da diese in meinem Stammladen, dem Drachental, immer auf Lager sind und so ein regelmäßiger Nachschub und Verfügbarkeit sichergestellt ist. Als wir jedoch wieder einmal die Möglichkeit hatten über pk-Pro an die Farben der AMMO-Reihe zu kommen sah ich meine Chance mal über den Tellerrand zu gucken und etwas anderes auszuprobieren.

Vallejo Surface Acrylic Polyurethan Black Primer 73.602

Wie bereits geschrieben mein Standardprimer. Schon beim befüllen des Airbrush-Töpfchens zeigt sich das der Vallejo Primer recht dickflüssig ist. Der Vorteil ist ein deckender Farbauftrag, schon im ersten Durchgang. Es besteht aber wie bei Sprayfarben aus der Dose die Gefahr das Details überdeckt werden. Gefühlt sollte man nach jedem Topf die Pistole zumindest an der Spitze reinigen da, vor allem bei nicht 100% exakter Nadelspitze, sich schnell ein Farbklumpen in der Kronenkappe bildet die zum Spucken der Pistole führt.
Die Farbe trocknet am Modell sehr schnell, bereits nach wenigen Augenblicken ist (bei dünnem Aufnebeln) das Modell bereit für die nächste Schicht.
Der Primer ist, auch beim Sprühen, eher geruchsarm; eine Filtermaske würde ich aber dennoch deutlich empfehlen, will man nicht nach dem malen dunklen Schnodder schneuzen.

Fun Fact: Ich sprühe immer mit Einmalhandschuhen und Farbe die auf die Finger kommt lässt sich nach ein paar Schichten wie eine Haut vom Latex abknibbeln

AMMO by Mig Jimenez waterborne Polymer Surface Primer A.MIG-2005

Dieser Primer unterscheidet sich in mehreren Punkten vom Erstgenannten. Zu aller erst ist er etwas dünnflüssiger als der Primer von Vallejo. Im inneren ist eine Agitatorkugel die beim schütteln die Farbe ordentlich durchmischt. Durch eine Spitze wie eine übergroße Dropper-Bottle lässt er sich leichte dosieren und einfüllen als sein Pendant (dieser wirkt im Verschluss wie eine Flasche Glasreiniger). Schon hier ist der Geruch deutlich anders (darauf komme ich noch zurück). Im Farbtöpfchen der Pistole sieht man den zweiten deutlichen Unterschied. Während der Vallejo Primer in einem satten glänzenden Schwarz erscheint wirkt der mig-Primer als hätte man eine Bleistiftmine eingeschmolzen. Die Oberfläche wirkt Dunkelgrau bis schwarz, ein metallisch-schlieriger Glanz liegt auf der Oberfläche.

man erkennt den leicht metallischen Glanz

man erkennt den leicht metallischen Glanz

Beim Sprühen tritt leicht süßlicher Geruch zutage den ich am ehesten vergleichen kann mit dem Geruch der entsteht wenn man Kunststoff (ABS) oder Resin feilt. Der Sprühnebel wirkt deutlich feiner. Daher würde ich beim Arbeiten mit dem mig-Primer dringend zu einer Maske raten. Auch befindet sich auf der Rückseite das Gefahrensymbol Xn (Gesundheitsschädlich/Harmfull)!

Der Farbauftrag ist deutlich dünner als bei Vallejo. Ein wirklich deckender Auftrag ist nur mit mehreren Durchgängen zu erreichen, andernfalls bilden sich Pfützen oder Lacknasen. Im Gegenzug ist dadurch die Gefahr deutlich geringer Details zu verlieren. Die dünnere Konsistenz erlaubt es auch mehrere Füllladungen zu sprühen ehe es zu merklichen Verstopfungen oder Farbablagerungen an der Pistole kommt. Auch wird bei mig auf der Rückseite eindeutig empfohlen die Grundierung einen Tag aushärten zu lassen.

Der direkte Vergleich

Als Testfläche diente mir hier die nicht genutzte Plane eines Opel Blitz von Tamiya. Das Material ist sandfarbenes ABC, die Oberfläche wurde nur gereinigt und entfettet.
Der Vallejo Primer auf der linken Seite hat ein leicht glänzendes Finish und wirkt glatter als sein Gegenüber. Die Farbe erscheint satt schwarz. Bereits nach der ersten Schicht schien kein Material mehr durch. Der Unterschied zwischen zwei Schichten war kaum mehr feststellbar, schon nach wenigen Momenten konnte eine zweite Schicht aufgetragen werden.

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die Farbabplatzer kommen von unpassendem Maskierband

Der mig-Primer auf der rechten Seite hat ein seidenmattes Finish. Die Oberfläche wirkt dadurch rauher. Die Farbe selber ist eher anthrazit denn schwarz und hat denselben leicht metallischen Schimmer wie auch in flüssiger Form. Um ein deckendes Ergebnis zu erzielen waren mehrere Schichten notwendig. Je nach Schichtdicke muss man längere Trockenzeiten als bei Vallejo einkalkulieren.

Nach der Benutzung lassen sich beide Primer mit demselben Aufwand und Reinigern aus der Pistole entfernen

Fazit

Im Bezug auf Farbhaftung konnte ich bei beiden Primern keine nennenswerte Unterschiede feststellen. Letztlich ist die Frage, welcher der beiden besser ist, eine Frage der persönlichen Vorlieben. mig bietet ein feineres Finish, der Primer wirkt eher nur „aufgestaubt“, Konturen und Details wirken schärfer. Dadurch dass der Primer nicht reinschwarz ist entfällt auch u.U. das zusätzlich „Konturen-Nebeln“ mit einem grauen Primer.
Der Vallejo Primer ist in seiner Wirkung einem Primer aus der Spraydose ähnlicher und deshalb sicher für Ein- und Umsteiger die bessere Wahl. Durch die dickere Konsistenz ist er für große Flächen beim Fahrzeug und Geländebau in meinen Augen besser geeignet als der mig-Primer, der in größeren Flächen dazu neigt Pfützen zu bilden.

Für meine Arbeit ist und bleibt der Vallejo Primer weiterhin die erste Wahl, aber ich empfehle jedem Maler sein eigenes Urteil zu bilden und seinen Favoriten zu finden

In diesem Sinne:
Die Malerei ist weiter nichts als die Kunst, schwarz auf weiß und weiß auf schwarz zu setzen.
– Francois Marius Granet, frz. Maler (1775-1849) –

Über Entil Zar

Gründungsmitglied und amtierender Präsident des Vereins. Wenn er grade nicht die Weltherrschaft des Games'n Dice plant verfolgt er tapfer und fleißig sein Ziel niemals mit unbemalten Figuren zu spielen.