Review: Sd.KFZ 247 B von Heer46

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Einer der Punkte der mir am historischen Wargaming gefällt ist, das es viele mögliche Herangehensweisen gibt. Auf der einen Seite gibt es Spieler die gerne möglichst akkurat Schlachten und Gegebenheiten nachstellen (auch wenn das Ergebnis quasi historisch vorgegeben ist) auf der anderen Seite machen es viele Systeme und Spieler möglich Dinge auszutragen, die so nie geschehen sind. Beispiele aus unserem Clubleben sind wiederkehrende Gefechte zwischen dem deutschen Afrikakorps und britischen Chindits und Kämpfe zwischen russischen und amerikanischen Verbänden die so (glücklicherweise) nie stattgefunden haben. Neben exotischen Matchups geben viele Spiele auch die Möglichkeit Ausrüstung und Fahrzeuge ins Feld zu führen die der durchschnittliche Landser nie zu Gesicht bekommen hat (geschweige denn Kenntnis jenseits von Lagerfeuer-Gerüchten hatten).

Über eines dieser Fahrzeuge will ich in diesem Review schreiben, dem Sd.KFZ 247 B, oder wie er formell hieß: „schwerer geländegängiger gepanzerter Personenkraftwagen Sonder-Kraftfahrzeug 247 Ausführung B“ (es lebe das Amtsdeutsch) als Modell vom deutschen Hersteller Heer46.

Mit nur 58 gebauten Exemplaren ist das 247er ein echter Exot. Ursprünglich als leicht gepanzerter Truppentransporter konzipiert wurde er bei den wenigen Einheiten die ihn zu Beginn des Polen- und später Westfeldzuges einsetzten eher als Führungsfahrzeug in den schnellen Krad- und Aufklärungseinheiten eingesetzt. Das er nie für diese Rolle erdacht war merkt man daran das es keine Aufzeichnungen gibt nach denen ein 247 mit den typischen Rahmenantennen und Funkanlagen der Zeit ausgestattet wurde.
Als Basis für das 247 B diente (im Gegenzug zum 3-achsigen Typ A) das Chassis des schweren Einheits-PKW, des Versuchs eine Universalplattform für Geländewagen zu schaffen. Auf dieser Plattform wurde u.a. auch der Steyr 1500A (siehe mein Artikel hier) und die bekannten Scoutcars 221 und 222 gebaut.
Als zu Beginn des Russlandfeldzuges erkannt wurde das Radfahrzeuge mehr und mehr an Ihre Grenzen stießen fiel die Entscheidung alle Ressourcen lieber für den Bau des (die gleiche Nische besetzenden) Halbkettenfahrzeugs Sd.KFZ 250 zu verwenden. Dies war das Aus für das Sd. KFZ 247.

Das Modell

Die deutsche Miniaturenschmiede Heer46 machte zuerst auf sich aufmerksam als sie verschiedene deutsche Papierpanzer (Konzepte und Prototypen) als 15 mm-Modelle herausbrachten (z.B. der Löwe oder andere Panzer der E-Serie). Seit dieser Zeit wurde das Sortiment kontinuierlich erweitert ohne das Auge für das ungewöhnliche abseits des „normal“ erhältlichen zu verlieren. Nun ist Heer46 bei dem derzeit für Bolt Action und andere Systeme beliebten 1:56 und 1:48 Maßstab angekommen.247_01

Das Modell im Maßstab 1:56 ist aus grauem Resin gegossen, alle Einzelteile liegen in einem separaten Beutel bei. Die Extrabits sind auch aus Resin gegossen ist, hier ich bin von anderen Herstellern gewohnt das diese aus Zinn sind. Die Gußqualität ist tadellos, es gibt keine Gießäste oder –ansätze. Lediglich am Heck gibt es unter dem Reserverad eine kleine Gußkante und leichte Häutchenbildung an den Kanten der Kotflügel. Beides lässt sich leicht mit einem scharfen Messer ausbessern. Lücken oder Bläschen sind auf den ersten Blick nirgends zu erkennen, nur im Gegenlicht erkennt man eine Luftblase im rechten hinteren Kotflügel. Diese ist aber wie gesagt von außen nicht zu erkennen und sollte im normalen Spielbetrieb kein Problem darstellen.

im Bild 2 ist leicht die Gußkante unter dem Hinterrad zu erahnen

im Bild 2 ist leicht die Gußkante unter dem Hinterrad zu erahnen. Bild 5 wäre die Option mit der Plane über dem Kampfraum

Alle Details wie Luken, Sichtschlitze und Werkzeuge sind scharfkantig, besonders gefallen hat mir die aufwändige Auspuffanlage hinter dem rechten Frontflügel.
Das bei Resin gelegentlich auftretende Warping ist durch die massive Hülle kein Thema, lediglich die Radaufhängungen weisen einen leichten negativen Sturz auf. Da aber die Reifen auf der Rückseite ausreichend große und sauber gegossene(!) Buchsen haben war es kein Problem diese mit einem leicht gelförmigen Sekundenkleber grade und exakt anzukleben.

Im Vergleich mit anderen Fahrzeugen meiner Sammlung (die alle im Maßstab 1:48 sind) fällt das 247er größentechnisch kaum auf. Ganz im Gegenteil, im direkten Vergleich mit dem 222 von ICM sind beide im Radstand und Spurweite fast gleich groß, man glaubt gerne das sich beide Fahrzeuge ein Fahrgestell teilen.

Längen der Fahrzeuge im Original: 247er = 5,00 / 222er = 4,80 / Steyr 1500A = 5,08 / Kübelwagen = 3,74

Längen der Fahrzeuge im Original: 247er = 5,00 / 222er = 4,80 / Steyr 1500A = 5,08 / Kübelwagen = 3,74

Alles in allem kann ich das Modell sehr empfehlen, wer einen Transporter abseits des Mainstreams von Kübelwagen und Krupp Protze haben will sollte hier zugreifen.

Das 247 bei Bolt Action

Abschließend möchte ich noch kurz auf die Verwendung des 247 bei Bolt Action eingehen.
Weder im Grundregelwerk noch im Armeebuch „Armies of Germany“ gibt es einen passenden Eintrag für das 247. Das nächst passende (6 Personen-transport, 4-Rad, unbewaffnet) wäre das Heavy Field Car (Seite 66). Allerdings sehe ich das 247er mit seiner vor Infanteriewaffen schützenden Panzerung nicht als 6+ Softskinned Vehicle an sondern eher als Armored Carrier. Daher würde ich (das Einverständnis meines Mitspielers vorausgesetzt) die folgenden Punktkosten und Werte ansetzen:
Cost: 41 pts (inexperienced) / 55 pts. (regular) / 69 pts. (veteran)
Weapons: none
Damage Value: 7+ (armored Carrier)
Transport: up to 6 men
Tow: light howitzer, light or medium ATG, light AA
Open Topped

Basis für diese Rechnung ist das Sd.KFZ 250/1 (60/75/90 pts. Seite 64) abzüglich 15 Punkte (der übliche Aufschlag für ein pintlemount MMG) und abzüglich des Halbkettenaufschlags um aus einem Opel Blitz ein Maultier zu machen (4/5/6 Punkte)

Passagiere von Perry Miniatures

Passagiere von Perry Miniatures

Weiterhin viel Spass beim Malen und Spielen,

in diesem Sinne,

Ein vernünftiges Auto soll seinen Besitzer überallhin transportieren – außer auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten – Henry Ford

Quelle Titelbild: www.reenactor.net

Link: Heer46

Über Entil Zar

Gründungsmitglied und amtierender Präsident des Vereins. Wenn er grade nicht die Weltherrschaft des Games'n Dice plant verfolgt er tapfer und fleißig sein Ziel niemals mit unbemalten Figuren zu spielen.