Grübelei: Hessian Stripes für meinen Cromwell Cruiser Tank

Eine der interessantes Aspekte des Historischen Table Tops ist natürlich die Recherche und die Gestaltung der eigenen Figuren nach historischen Ebenbildern. Wie genau das sein muss, ist sicher eine Ermessensfrage, aber in der Summe ist dieser Aspekt zumindest meiner Meinung nach ein Kernelement dieses Hobby und stellt quasi „unseren“ Fluff dar.  Und diese Gestaltung stellt auch für mich einen großen Reiz beim Thema WW2 dar. Oftmals ernte ich Unverständnis oder  Kopfschütteln, wenn ich einmal mehr mit einem neuen Panzer auftauche, um diesen zu bemalen. Aber neben einem allgemeinen Interesse für Wehr- und Waffentechnik aus dieser Zeit ist die Bemalung dieser Fahrzeuge. Bereits beim Zusammenbau kreisen unterschiedliche Gedanken durch meinen Kopf: welche Tarnfarben soll er haben? Wo mache ich wie viel Stowage hin? Wie abgenutzt soll das Fahrzeug später mal aussehen? Ich liebe es, so auf den ersten Blick sehr einheitliche Modelle zu individualisieren und ihnen ein Aussehen zu geben, als wenn sie bereits im Kampf stünden und von ihrer Besatzung im Feld modifiziert wurden.

 

Challenger

Auch wenn wir hier ein extremeres Beispiel haben, zeigt dieser Cruiser Tank Typ Challenger sehr gut, was mit Hessian Stripes gemeint ist.

 

So stellte sich auch bei meinem Cromwell, den ich mir günstig auf der Crisis 2015 geschossen hatte, die Frage, wie ich das Modell auf diese Weise behandeln konnte. Als sehr Britischer Panzer würde er natürlich im Dienste der West-Alliierten stehen. Hier habe ich vor allem bisher Shermans bemalt; dem allgegenwärtigen Arbeitstier der Westallierten. Diese habe ich gemäß historischen Vorbildern mit viel Stowage an der Front und auf dem Heck ausgestattet, um sie einzigartiger und „abgehärteter“ wirken zu lassen (s. meinen Artikel über Fury). Beim Cromwell wollte ich hingegen andere Wege gehen und entschied mich für eine typisch Britische Tarnvariante: Hessian Stripes

 

Hintergrund: Hessian Stripes

 

Unter dem Begriff Hessian Stripes  versteht man zahlreiche Streifen und Fetzen aus Jute bzw. Sackleinen (im Grunde ist „Hessian“ nur ein industrieller Begriff aus dem englischen Sprachraum für Jute) die von der Besatzung an den Turm und die Front ihrer Panzer gehangen wurden. Um den Halt zu verbessern, wurden sie mit Mist, Lehm oder Erdklumpen zusammen verklebt und bei Bedarf auch Zweige und Blätter eingearbeitet. Auf diese Weise sollten die Fahrzeuge sich besser an die Heckenlandschaft der Normandie (Bocage) bzw. Mitteleuropas anpassen und ihre Konturen besser verschmelzen können. Hessian Stripes wurden in der Regel rund um den Turm sowie an der Front als auch vereinzelt um das Rohr angebracht. Sie tauchten bei vielen Britischen Panzern wie dem Cromwell und dem Sherman V auf. Durch sie bekam der Panzer einen einzigartigen Look und sahen durch die vielen Franzen, Blättern und Streifen recht rustikal und verwildert aus. Man kann sagen, dass Hessian Stripes in der Popkultur für britische Tanks fast schon so typisch sind wie das Zimmerit bei den Deutschen Panzern. Aus diesem Grund wollte auch ich mich mal an diesem Look versuchen.

 

Basteln & Bemalen

 

Zuerst musste ich  mir überlegen, wie ich diesen Look am besten nachstellen konnte. Sehr informativ und inspirierend war hierbei ein schon etwas älterer Artikel auf der Seite von Battlefront Miniatures, dem Hersteller und Publisher von „Flames of War“. Der Autor stellte hier zwei Methoden zur Herstellung von Hessian Stripes am Cromwell dar. Zum einen kann man Turm und Wanne mit kleinen Klumpen aus Green Stuff behängen und die Streifen dann vorsichtig mit einem Bastelmesser einritzen (die schnelle Methode). Bei der anderen Methode schlug der Autor vor, die in Frage kommenden Partien mit Mullbinden zu bekleben, die vor in verdünntem Holzleim getränkt wurden. Ich wällte letztere Methode, da sie mir etwas besser gefiel und ich eher ungern mit Green Stuff arbeite. Der Artikel bezog sich zwar auf 15mm Fahrzeuge, allerdings ließen sich die Methoden auch ohne Probleme auf 1:48 oder 28mm anwenden.

 

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Der Rohbau aus Taschentuchstreifen sieht noch nicht nach viel aus.

 

So nahm ich mir also meinen fertig zusammen gebauten Cromwell und beklebte ihm nach und nach mit Streifen und Stofffetzen, die ich mir zuvor aus einem Taschentuch geschnitten und dann in ein Gemisch aus Wasser und Holzleim im Verhältnis von ungefähr 2:1 getaucht habe. Hier musste ich ein wenig experimentieren, bis ich das richtige Mischungsverhältnis gefunden hatte. Nimmt man zuviel Leim, verkleben die Streifen zu schnell und lassen sich nicht mehr formen. Nimmt man zu viel Wasser, werden die Streifen zu dünn und brauchen ewig, um zu trocknen. Beim richtigen Verhältnis kann man sie hingegen gut formen und hat eine optimale Konsistenz. Zudem kleben die Streifen dann auch gut auf dem Fahrzeug.

 

Cromwell_wip002

Schritt für Schritt werden verschiedene Brauntöne aufgetragen…

 

Aufmerksamen Betrachtern wird sicher aufgefallen sein, dass ich nicht Dutzend einzelne Streifen ausgeschnitten und über den Rumpf verteilt habe. Das wäre meiner Meinung nach einfach zuviel Aufwand bzw. eine Sisyphusarbeit geworden. Stattdessen legte ich verschiedene, unregelmäßig geformte Streifen und Fetzen übereinander, um diesen typisch verfranzten Look der Hessian Stripes zu simulieren. Ich konzentrierte mich auf die Frontpanzerung sowie die Turmfront. Anders als bei manchen historischen Vorbildern verkleidete ich aber nicht den gesamten Turm mit den Stripes sondern lediglich die Hälfte, da ich noch Decals anbringen wollte und zudem die Sorge hatte, dass dadurch die Drehmechanik des Turms zu sehr eingeschränkt werden würde. Außerdem kann ich das Modell so besser anfassen und transportieren.

 

Cromwell002

…. bis sich das Modell der Fertigstellung nährt. Hier fehlen noch die Blätter.

 

Nach das Ganze getrocknet war (was etwa einen Tag dauerte) konnte ich das Modell schließlich grundieren. Der Sprühlack versiegelt die Stoffstreifen noch mal zusätzlich und härtet sie aus, wodurch sie stabiler wurden. Da wie oben beschrieben die Stripes mit Matsch und Dreck zusammengeklebt wurden, wählte ich bei der anschließenden Bemalung vor allem erdige Brauntöne, die ich immer heller hoch schichtete und zudem mit Khaki bzw. einem Gemisch aus Khaki und etwas Grün trocken bürstete, um so der typischen Farbe von Leinen nahe zukommen.

 

Cromwell001

Das Gesamtbild lässt sich dann meiner Meinung nach doch als gelungen bewerten.

 

Nach dem auch der Rest des Cromwells bemalt und gewasht wurde, bedeckte ich die fertig bemalten Hessian Stripes noch mal mit einer dünnen Schicht Leim und streute Teeblätter aus einem Teebeutel drüber; einen Trick, den ich von Vereinsmitglied hel habe, der auf diese Weise die Dschnungelbases seiner Chindits gestaltete. Da diese Teeblätter in der Regel sehr klein gemahlen bzw. geraspelt sind, geben sie ein ideales Laubwerk bzw. Streu dar, welches sich perfekt eignet, um das rustikale Aussehen  meiner Stripes abzurunden. Unterm Strich bin ich sehr zufrieden mit meinem Projekt. Ich denke, den Effekt gut nachgeahmt zu haben, ohne die Spielbarkeit des Modells zu sehr einzuschränken. Hoffentlich werden wir das Modell auch ballt auf dem Spieltisch sehen.

Über FerroMetall

Nerd mit Drang zum Bizarren und zur Besserwisserei. Auch bekannt als "Panzer"-Ferro; Pilzesser und Pflanzenfreund. Im Hobby seit 2004.