Review: Panzer IV Ausf. H von Tamiya in 1:48

Es ist schon interessant, wenn man sich seine Sammlung an Modellen der letzten Jahre betrachtet und Revue passieren lässt, was sich da so alles angehäuft hat. Wie die meisten sich denken können, besitzte ich vor allem eine Menge Kampfpanzer aus dem Zweiten Weltkrieg für mehrere Nationen, um sie bei Spielen ala Bolt Action u. a. einsetzen zu können. Interessant war dabei natürlich immer die Frage nach dem Maßstab der Modelle. Quasi seitdem durch Bolt Action 28mm Table Top im Zweiten Weltkrieg einem größeren Publikum bekannt wurde (da System lässt sich halt gut für Turniere missbr… verwenden), tobt im Web und an den Spieltischen eine hitzige Debatte darüber, welcher Maßstab denn nun der richtige für Fahrzeuge sei: der im Table Top übliche 1:56 (28mm) oder der aus dem Modellbau bekannte 1:48.

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Um dieses Fahrzeug soll es heute gehen: den Panzer IV….

 

Wie es zu dieser Diskussion eigentlich kam, weiß wohl niemand mehr. Ich denke, dass liegt damit zu sammen, dass 28mm WW2-TableTop wie bereits erwähnt vor allem durch Bolt Action und Warlord Games einer breiteren Masse bekannt wurde. Es gab schon vorher zahlreiche (und zum Teil auch komplexere) Regelwerke, aber mit Bolt Action schaffte Warlord Games es, dass Thema durch ein simples Regelwerk und einem hohen Miniaturenangebot der breiten Maße zu öffnen (ähnlich wie Flames of War im 15mm Maßstab). Allerdings waren die ersten Fahrzeugbausätze (z. B. das StuG III, der Sherman oder der Panzer IV) von Warlord Games, um zum Thema zurück zu kommen, bisweilen etwas grobschlächtig gegossen und wirkte zum Teil klobig und leicht deformiert. In Kombination mit dem Heroic Scale der Figuren wirkten die Fahrzeuge oft zu klein und knubbelig. Als dann auch noch ein englischsprachiger Blog sich mit dem Thema beschäftigte und 1:48 Modelle aus dem Modellbau ins Rennen warf, war die Meinung, Fahrzeuge in 1:56 seienen generell zu winzig für 28mm Figuren, geboren und hält sich bis heute im Kopf vieler Spieler.

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… Arbeitstier und Rückgrat der Deutschen Panzerwaffe der 40er Jahre. (hier in der Ausführung G/F2 im Deutschen Panzermuseum, Munster)

 

Aus diesem Grund bevorzugen nicht wenige Spieler daher 1:48 Modelle, wie sie z. B. von den großen Namen Tamiya, Italerie oder Hobby Boss angeboten werden. Auch ich bevorzuge diesen Maßstab, habe aber auch kein Problem damit, ein Fahrzeug in 1:56 zu benutzen, wenn es kein Äquivalent in 1:48 gibt. Denn gerade dieser Punkt ist oft das Haar in der Suppe. 1:48 ist bezogen auf Panzer & Militärfahrzeuge eher ein exotischer Maßstab zwischen 1:72 und 1:35 (während er bei Flugzeugen quasi der Maßstab ist) und viele Unternehmen haben entweder nur eine kleine, überschaubare Range an Fahrzeugen im Sortiment oder stampfen sie nach und nach wieder ein, weil sich das Geschäft nicht rentiert hat. Als Folge sind einige Fahrzeuge, insbesonders exotischere Varianten, er selten oder nur noch auf Gebrauchtmärkten zu finden. Aber auch bekanntere Fahrzeuge waren lange Zeit nur schwer bis gar nicht erhältlich.

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Manchmal helfen auch Studien am Objekt dabei, den richtigen Maßstab zu finden.

 

Ein Beispiel hierfür wäre der Panzer IV. Ausgerechnet das Rückgrat der Deutschen Panzerwaffe war langezeit in 1:48 gar nicht regulär erhältlich (Tamiya brachte vor Jahren mal die Version J auf dem Markt). Doch dies hat sich 2015 überraschend geändert, als Tamiya eine reihe neuer 1:48 Maßstäbe auf den Weltmarkt brachte, unter denen sich auch ein Bausatz für den Panzer IV in der Ausführung H befindet: das optimale Fahrzeug für jede Late War Armee der Deutschen. Ob der Hype um Bolt Action da eine Rolle spielte? Wer weiß. Jedenfalls war mir klar, dass ich diesen Bausatz haben musste. Zwar habe ich bereits mehre Panzer IV H in 1:56, diese wirkten jedoch neben den Shermans und T-34 in 1:48 etwas kümmerlich.

 

2) Der Bausatz

 

Auch wenn der Groschen mitlerweile gefallen sein sollte, erwähne ich an dieser Stelle dennoch erneut, dass es sich beim Panzer IV von Tamiya um einen Modellbausatz und nicht im ein Table Top Modell handelt. Ergo ist der Bausatz deutlich umfangreicher als bei den hier bereits vorgestellten Varianten in 1:56 von Rubicon oder Warlord Games. Man sollte also genug Zeit und Geduld mitbringen, wenn man sich an das Modell setzt, da es viele Kleinteile zu bearbeiten und zusammenzubauen gilt (z. B. Scheinwerfer, Werkzeuge usw. die bei TT-Modellen meist direkt an die Hülle gegossen sind). Das Modell ist gemäß seiner Natur dafür natürlich deutlich detaillierter als ein Table Top Modell und lässt viele Besonderheiten erahnen, die bei TT-Modellen aus Gründen der Simplizität schlicht weggelassen wurden.

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Es gibt viel zu tun

 

Auf eine detaillierte Auflistung der Zusammenbauschritte verzichte ich an dieser Stelle. Dafür gibt es Bauanleitungen, die meistens auch legal im Netz angeboten werden. Anders als beim Tamiya Sherman ist die Wanne des Panzer IV aus Plastik, wobei jedoch zwei Gewichte für die gefühlte Schwere sorgen (ähnlich wie beim Tiger I Bausatz) und verhindern, dass sich das Fahrzeug zu „leicht“ anfüllt. Die Teile bieten gewohnt hohe Tamiya Qualität mit wenig Häutchen, Gussresten usw. Sie lassen sich schnel laus dem Bausatz lössen und mit Plastikkleber gut zusammen kleben. Bemängeln könnte man die Passgenauirgkeit mancher Löcher bzw. Lochbohrungen für Werkzeuge, Schürzengestelle usw. Selbst mit einer Pinzette war es schwierig bis unmöglich, die Teile ohne Bino und Uhrmacherpinzette einzufügen.

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Gewichte beschweren die Wanne zusätzlich

 

Der filigranste Part an dem ganzen Fahrzeug sind aber die Schürzen, da diese an die sehr fragile Aufhängung angebracht werden müssen. Auch hier gilt es wieder, sehr vorsichtig zu sein und sich Zeit zu nehmen, da sonst die Gefahr besteht, die Schürzen falsch zu positionieren. Dennoch empfand ich den Zusammenbau angenehmer und leichter als noch beim Panzer III N, den ich auf der Crisis gekauft hatte.  Kann also sein, dass Tamiya hier etwas nachgebessert hat.

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Das Zimmerit-Sheet von Tamiya

 

Anmerkung: Ich fügte dem Bausatz Zimmerit in Form des Zimmerit-Sheet von Tamiya zu. Dieses besteht aus in Form geschnittenen Folien, die auf die entsprechenden Stellen geklebt werden und so für eine gewellte Zimmerit-Oberfläche sorgen. Diese Methode ist nicht ganz so schön wie das selber ritzen oder das Arbeiten mit Spachtelmasse, lässt sich aber schneller auftragen und erfüllt seinen Zweck.

 

3) Fazit

 

Der Panzer IV H von Tamiya ist ein schöner, sehr detaillierter Bausatz, der bedenklos jedem Table Topspieler mit Sinn für Detailliebe oder auch Modellbauer empfohlen werden kann. Für Leute, die ein schnell einsatzbereites Fahrzeug für ihre Spiele brauchen oder für solche, denen es an den erforderlichen Skills mangelt, empfehle ich jedoch weiterhin die ebenfalls sehr guten, wenn auch simpleren Bausätze von Rubicon oder Warlord Games. Sie lassen sich einfacher und schneller zusammenbauen und haben vor allem nicht so fragile Seitenschürzen, bei denen man sich stets Sorgen machen muss, ob sie den Transport zum Spieletreff überstehen. Das Tamiya-Modell besticht dagegen vor allem durch die Details und sieht dadurch deutlich komplexer und weniger nach Spielzeug aus.

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Diverse Deutsche Panzer im Maßstab 1:48 (v. l.: Panzer III L, Panzer IV H, Panzer V Panther G und Panzer VI Tiger I E) zum Größenvergleich (alle Tamiya)

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Und hier seine direkten „Gegenspieler“ M4A1 Sherman (Tamiya) und T-34 (Hobby Boss); ebenfalls im Maßstab 1:48

 

Wer seine Fahrzeuge eh alle in 1:48 haben will, kommt um diesen Bausatz ja eh nicht rum. Schlussendlich muss jeder selber wissen, welcher Maßstab einem besser gefällt. Der Panzer IV war zudem ja auch gerade ohne Schürzen ein sehr kompakter Panzer, der ein wenig an einen größeren Panzer III erinnerte.

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Hier der direkte Vergleich unseres 1:48 Panzer IV zu seinen Gegenstücken in 1:56 von Warlord Games (links; altes Resinmodell) und Rubicon Models (rechts)

 

 

 

Über FerroMetall

Nerd mit Drang zum Bizarren und zur Besserwisserei. Auch bekannt als "Panzer"-Ferro; Pilzesser und Pflanzenfreund. Im Hobby seit 2004.