Sol Occidens – 2. Teil: Wandelbare Geschichte

Nach einer längeren Pause geht es hier also mal weiter mit meiner kleinen Reihe zu Warhammer Fantasy. In diesem Artikel werfe ich einmal einen genaueren Blick auf die verschiedenen Hintergründe und Perspektiven von Warhammer Fantasy. Das schöne an fiktionalen Settings ist ja, dass man den Hintergrund einfach nach Belieben verändern kann oder sogar eine Stunde Null einschieben und alles ganz neu gestalten kann.

 

 

Sol 02 Material
Mehrere Generationen verschiedener Hintergrundinformationen – die Stilbrüche sieht man schon an der Aufmachung!

 

Anlässe für Veränderungen

Der muss natürlich aus aktuellm Anlass an erster Stelle stehen. Im Moment gehen da ja einige Gerüchte umher, dass es mit der neuten Edition einen krassen Bruch mit dem Hintergrund gibt. Das kommt zwar in der Community weitgehend nicht sehr gut an, sehe ich aber eigentlich als unproblematisch an. Kleinere Veränderungen gab es eh zu jeder Edition und manchmal waren die auch richtig einschneidend. Die Trennung der Untoten in Vampire und Mumien oder die Zerschlagung des Chaos in seine drei Teilstreitkräfte waren solche Eingriffe. Ärgerlich hierbei war natürlich, dass dabei – so man denn den Schritt mitgehen wollte – man seine Armeen schon spürbar umstellen musste. Andere Eingriffe waren das Erscheinen neuer Völker (Echsenmenschen und Oger) oder der deutlich veränderten Neuauflage von Völkern (Bretonen). Dafür fielen andere Völker ganz weg (Chaoszwerge) oder wurden nur sehr stiefmütterlich behandelt (Waldelfen und wiederum Bretonen).

Komm woanders ist mir der Wandel im Hintergrund so sehr aufgefallen, wie in den Romanen. In den Veröffentlichungen der 90er Jahre, war die Welt von Warhammer noch deutlich abgedrehter und die vielen Völker nicht so ausdifferenzierter. Da lebten Elfen und Vampire ganz normal in Altdorf unter den Bürgern des Imperiums und keinen störte es. Spätestens seit Gotrek und Felix im Imperium für Odrnung sorgen, ist das mit der Öffentlichkeitswirksamkeit von Vampiren doch deutlich anders. Auch die Selbstverständlichkeit, wie sich Botschafter aus allen möglichen Ländern am imperialen Hof bewegen (und natürlich irgendwelchen Chaoskulten) angehören, hat sich deutlich verändert.

Deutlich behutsamer ging GW an den Hintergrund, als es um die Kampagnenboxen ging, die in den späten 90ern erschienen. Dort wurde meistens ein historisches Ereignis aufgegriffen, so dass man nicht mit dem aktuellen Hintergrund kollidieren konnte.

 

Das Konservieren von Hintergründen

Wie schon gesagt gibt es aktuell ja eine gewisse Aufregung um den sich abzeichnenden Wandel im Hintergrund. Ich sehe den aber eher als unproblematisch an. Die Figuren, die GW veröffentlicht, greifen den Hintergrund ohnehin nur in sehr wenigen Punkten wirklich auf und sind daher sehr universell nutzbar. Es spricht aber recht wenig dagegen, nach alten Hintergründen seine eigene Geschichte weiterzuspielen. Sind wir mal ehrlich, im Spiel selbst ist der Hintergrund zumindest so bedeutungslos, dass er das System nicht wirklich beeinflusst. Inwiefern die Spieler also davon betroffen sein werden, kann man noch gar nicht abschätzen, aber bisher waren sie es ja eigentlich auch nie. Ob eine Schlacht nun vor dem Sturm des Chaos stattfand oder danach, ist nur dann bedeutend, wenn man besondere Charaktermodelle einsetzen will. Bei historischen Systemen nehme ich den Hintergrund zwar sehr ernst, bei einem System wie Warhammer betrachte ich ihn aber eher als Vorlage für meine eigene Kreativität. Hier kann ich den Hintergrund selbst weiterschreiben. Dies kann ich vor allem dann sehr gut, wenn ich mit ein paar Spielpartnern einen weißen Fleck auf der Warhammer-Karte bespiele. Unsere Armeen befinden sich dann auf einer Expedition oder begleiten Auswanderer in eine neue Welt. Es gibt auf der Karte der Warhammer-Welt so viele Inseln, die den Spielern die Freiheit eines ganz neuen Hintergrunds im Hintergrund liefern.

Was ich sagen will: Games Workshop will euch nicht den Tag versauen mit neuen Hintergründen oder Veränderungen alter Geschichten. Man merkt an vielen Veröffentlichungen von GW ja eh, welch Geistes Kind der Hintergrund ist. Er ist nicht kanonisch gemeint und darauf wird auch regelmäßig hingewiesen. Schafft eure eigene Welt und bringt eure Phantasie mit ein. Es gibt keinen Grund, einen Hintergrund zu bespielen, den ihr nicht mögt. Hier habt ihr doch alle Freiheiten! Man kann ja schlecht einen Hintergrund als Wahrheit bezeichnen, den eh jemand frei erfunden hat. Orks sind nur dann Grün, wenn ihr das so wollt.

 

 

Sol 02 eigene Helden
Dieser nette Kerl soll als Jademagier meine Imperiumstruppen unterstützen. So ein Eigenbau kann schon den ganzen Hintergrund deiner Armee bestimmten!

 

Die eigene Armee schnell thematisiert und personalisiert

Man muss nicht gleich seitenweise Texte verfassen, um seiner Armee einen eigenen Hintergrund zu verpassen. Auch exorbitante Umbauten oder besondere Farbschemata sind nicht erforderlich, man kann sogar einfach eine 08/15-Armee nachträglich thematisieren. Dazu reicht es oft, ein paar Charaktermodelle hervorzuheben. Meine Charaktermodelle bekommen zum Beispiel immer einen Namen. Außerdem haben ein Freund und ich uns früher immer eine Schatzkammer erstellt, in der sich eine bestimmte Anzahl magischer Gegenstände für eine vorher festgelegte Punktzahl befand. Unsere Armeen durften sich nur Gegenstände aus diesen Schatzkammern aussuchen. Man kann auch den Regimentern Namen geben und diese auf der Armeeliste vermerken. Probiert das einmal aus und es wird sich bestimmt gleich ganz anders anfühlen, wenn ihr eure Modelle in die Schlacht führt.

 

Im nächsten Artikel werde ich wohl einmal eine Armee vorstellen, bei der ich wie beschrieben vorgegangen bin.

 

Über Sir Leon

Mehr Spieler als Maler, mehr Sammler als Fertigsteller, seit 1995 im Wargaming-Hobby, starke Tendenz zu historischen Systemen und Massenschlachten. Trotzdem ist 28mm der bevorzugte Maßstab. Großes Interesse für das 18. und 19. Jahrhundert in Nordamerika und das europäische Mittelalter. Kommt beruflich aber zu selten zum Spielen und hält sich daher mit (alt)klugen Worten im Blog oder Foren bei der (Hobby-)Stange.