Wir bauen eine Spielplatte für Zuhause [Teil 2]

Heute geht es weiter mit dem „schönen“ Part des Plattenbaus, nämlich der Fertigstellung der Grundplatte und dem Bau von zwei einfachen  Modulen für Freebooters Fate – Spiele.

In meinem letzten Artikel zum Plattenbau habe ich gezeigt, wie ich eine relativ platzsparende klappbare Platte entworfen und zusammengeschraubt habe.

Zuallererst musste die Ablage außerhalb des Spielfeldes verschönert werden. Hier kamen mir allerhand Ideen in den Sinn. Angefangen von Pokerfilz bis hin zu roter und grüner Farbe brachte ich alles zur Diskussion, letztendlich wurde der Rand aber erstmal in zwei Schritten schwarz (seidenmatt) lackiert. Sieht auf jeden Fall sehr gediegen aus. Sobald die Muße mich erwischt, werde ich noch ein paar Schablonen mit passenden Tabletop-Motiven entwerfen und die Motive mit der Airbrush in verschiedenen Farben aufbringen.

Da die Platte unter anderem von Piraten (und den dazugehörigen Schiffen) bevölkert werden soll, muss natürlich Wasser her. Und wie schon zahlreiche Plattenbastler vor mir, habe auch ich mich für eine durchgehende Wasserfläche als Unterlage entschieden. Die einfachste und hier zur Anwendung gekommene Methode verwendet Abtönfarben in blau und grün sowie weiß, die einfach auf die Oberfläche aufgetupft werden, bis es irgendwie wie Wasser aussieht.

Es ist wahrscheinlich egal, mit welchen Tönen man genau anfängt, da sowieso unterschiedliche Schattierungen gemischt werden müssen, damit sich eine homogene Oberfläche ergibt, hier waren es jedenfalls Ozeanblau, Moosgrün und Weiß. Wie man sieht, liegen die Plattenhälften sehr eng aneinander an und das durchgehende Muster lässt den Spalt noch weiter verschwinden. Auch die wenigen Schraubenköpfe, die man in der Oberfläche nicht vermeiden konnte, sind quasi verschwunden, da sie vor dem Lack noch mit Holzkitt gefüllt wurden.

Auf der Grundlage dieser 120x120cm Wasseroberfläche lassen sich jetzt verschiedenste modulare oder auch flächendeckende Spielfelder aufbauen. Da wir auf der heimischen Platte vor allem Freebooters Fate spielen und die Wasseroberfläche eine Rolle spielen soll, zeige ich mal ein Beispiel für entsprechende Module:

Das Ausgangsmaterial bilden 20mm starke Styrodurplatten, also einfach XPS Dämmplatten aus der Dämmabteilung des nächsten Baumarkt bzw. Baustoffhandel. Da Deutschland zur Zeit ja immer noch im Dämmwahn ist, bekommt man die Teile mittlerweile überall. Das Styrodur habe ich mir auf Plattenlänge (120cm) in ein breiteres (50cm) und ein schmaleres (40cm) Modul zurecht geschnitten. Die breitere Platte sollte an einer Seite zum Wasser hin eine Hafenkante erhalten. Dazu habe ich diese Kante abgesehen von einem Stückchen Strand und einer Bootsfurt glatt abgeschnitten. Hier sollen noch Mauersteine eingeritzt werden. Das schmalere Element wurde an einer Seite mit dem Styrodurschneider und dem Bastelmesser strandförmig abgeschrägt.

Im nächsten Schritt habe ich Malervlies zurechtgeschnitten und auf die Module dort, wo hinterher Erdreich dargstellt werden sollte, mit Leim aufgeklebt. Bei dem schmaleren Modul war das fast das ganze Modul bis zur abgeschrägten Kante und bei dem Stadtmodul etwa ein drittel der Breite.

Um den bebauten Hafen von Strand und Wildnis abzugrenzen, wollte ich an der Hafenkante Pflastersteine oder etwas ähnliches darstellen. Schlussendlich viel die Wahl auf fertig modellierte Styrodurplatten aus dem Modellbau. Diese wurden ebenfalls mit Leim aufgeklebt, bevor die Oberflächen, die jetzt nicht mit Vlies oder Pflastersteinen bedeckt waren, mit Spachtelmasse auf die gleiche Höhe gebracht wurden. Um die Übergänge fließend zu gestalten, habe ich die Masse außerdem in unregelmäßigen Abständen auf dem Vlies verteilt. Außerdem wurden auf beiden Elementen die Strandabschnitte mit der Spachtelmasse modelliert. Wenn man sich beeilt, kann man Sand direkt auf die Spachtelmasse geben und umgeht damit die Nutzung von Holzleim. Zumindest bei mir ist der Sand in der Masse sehr fest geworden und rieselte kaum wieder herunter.

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Nachdem jetzt alle Oberflächen strukturiert und getrocknet waren, konnte die Malerei losgehen. Für die Erzeugung möglichst natürlicher Oberflächen gibt es meiner Meinung nach zwei praktikable Möglichkeiten. Entweder, man verdünnt die Abtönfarben sehr stark und malt ähnlich dem Bemalen von Figuren eine Schicht nach der anderen und schafft so Übergänge zwischen verschiedenen Strukturen wie zum Beispiel Sand und Erde oder man arbeitet „nass in nass“ in einem durch. Gerade Letzteres finde ich bei Abtönfarben, die relativ zäh zuende trocknen, ziemlich einfach. Bei beiden Elementen begann ich mit einem sehr kräftigen sandfarbenen Ton für die Grundierung der mit Spachtelmasse geformten Sandflächen. Das Vlies wurde mit einer Mischung aus Braun und Beige grundiert und anschließend habe ich verschiedene Braun-Beige-Mischungen aufgetragen, bis sich ein homogener Verlauf vom helleren Strand bis zum dunkleren Erduntergrund am anderen Ende der Elemente ergab. Die bereits grauen Pflasterplatten wurden nur mit einer stark verdünnten Mischung aus Braun und Schwarz gewasht und anschließend in heller werdenden Schwarz-Weiß-Mischungen bis hin zu sehr hellem Grau trocken gebürstet. Nachdem alles gut getrocknet war, was bei dem durchtränkten Vlies gerne mal eine Nacht in Anspruch nimmt, habe ich noch die Strandpartien hellbeige bis hin zu weiß und die eher matschige Strasse zwischen Wildnis und Pflaster hellbraun trocken gebürstet. Damit sich das Pflaster mit seinem kalten Farbton nicht allzu sehr abhebt, habe ich auch hier noch Verschmutzungen durch unregelmäßiges Trockenbürsten mit Hellbraun und Beige aufgetragen.PB-Kol-4

Der allerletzte Schritt war nun das Begrünen. Dank eines guten Tipps von Sir Leon ging das sehr schnell:Ich habe einfach hier und da auf dem Vlies Sprühkleber aufgetragen und dann Grasstreu in verschiedenen Grüntönen darüber rieseln lassen. Dann direkt nochmal Sprühkleber darauf und nochmal rieseln. Kurz trocknen lassen, einmal das ganze auf dem Balkon in den Wind gehalten und anschließend die kompletten Platten mit Mattlack versiegelt. Fertig! (Sicher, hier und da sind noch ein paar Stellen, die bei der nächsten Bastelsession ausgebessert werden müssen, aber nichts dramatisches.) Mit den zwei Modulen lässt sich nun schon ein bisschen kombinieren: Bebaute Fläche am Rand und Strand zum Wasser hin, Bebaute Fläche als Hafen am Wasser und Wildnis zum Rand, zwei Landflächen durch Wasser getrennt oder auch nur eins der Module und damit mehr Platz für Schiffe, Boote und Inselchen (letzteres in Planung).

Hier noch ein paar Beispielbilder, wie das ganze mit einem umgebauten Megabloks-Schiff und den Freebooters Fate – Jolas, Häusern, Staugut, Palmen und Dschungelelementen im tatsächlichen Spiel dann aussieht. Ich finde gerade die partiell gepflasterten Hafenbreiche machen sich mit ein paar Kisten, Truhen und Fässern sowie den 4Grounds-Fantasyhäusern ganz gut als Hafen.

Plattenbau_18Und weil bei uns zuhause ja nicht nur Freebooters Fate gezockt wird, haben wir direkt noch eine zweite Variante für Godslayer-Spiele gebastelt. Das Gelände ist hierbei zum größten Teil direkt auf die Platten aufmodelliert, daher habe ich mich für eine Variante mit mehreren Unterteilungen in 40x40cm – Modulen entschieden, um für Abwechslung zu sorgen. Das Gelände ist auf Godslayer-Spiele und andere Skirmisher abgestimmt: Kleinere und größere nicht-betretbare Sichthindernisse in Form von Felsen sowie tiefe Gräben (daher hier 40mm anstatt 20mm – Styrodur als Grundlage), über die man hinweg sehen kann, die aber nur an manchen Stellen und mittels Brücken überquert werden können. Optisch haben wir uns für eine Mischung aus antikem Gedöns wie Säulen, Tempel usw. entschieden. Die Sandflächen brauchen für einen natürlichen Look noch ein bis zwei Schichten mehr Sand und in die Felsspalten werden noch mit glühende Lava versehen. Außerdem sind noch weitere Geländestücke mit Säulen und Felsen für mehr Abwechslung und Szenarien in Planung.

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Zum Abschluss sei noch erwähnt, dass man auf der Platte natürlich auch einfach Rollvlies, eine Grasmatte oder sonstige 120x120cm-Spielfelder verwenden kann und immer noch den Vorteil der breiten Spielfläche und der Ablage rundherum hat, was mir zum Beispiel bei meinen Tischen zuhause nicht möglich wäre.

Ich hoffe, der ein oder andere kann die ein oder andere Idee aus diesem Tutorial mitnehmen. Ich würde mich freuen. Sollten noch Detaillfragen zu Materialien oder Techniken sein, kommentiert einfach unter diesem Artikel. Kritik und Verbesserungsvorschläge sind natürlich auch gerne gesehen. Schließlich ist das meine erste, aber ganz gewiss nicht meine letzte Platte dieser Art.

Über hel

... schreibt gerne ausschweifend über dieses und jenes. Besonders interessieren ihn gerade Freebooter's Fate, Bolt Action und Godslayer sowie generell alles was mit Bemalen und Basteln zu tun hat.