Die Landsknechte ziehen im Land herum

Trum Trum Terum tum tum – Die Landsknechte ziehen im Land herum – so beginnt ein Lied aus dem 30jährigen Krieg, aber wenn wir uns den klassischen Landsknecht vorstellen, mit weiten Hosen und bunter Jacke, dann hat der mit dem 30jährigen Krieg eigentlich nicht sehr viel zu tun. Was kann man also mit Landsknechten alles anstellen? In diesem Artikel möchte ich euch Konflikte des 16. Jahrhunderts vorstellen, für die ihr Landsknechte verwenden könnt und wo ihr die passenden Modelle herbekommt.

 Sacco di Roma
Als Soldzahlungen ausblieben, plünderten Landsknechte unter Kaiser Karl V.
kurzerhand die Stadt Rom – man gönnt sich ja sonst nichts!

 

Wenn zwei sich streiten, leidet der dritte – Die Italienkriege

Die italienischen Kriege oder Italienkriege waren ein von 1494 an etwa 60 Jahre langer Konflikt zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich. Karl V. war ab 1519 nicht nur König von Spanien, sondern auch deutscher Kaiser und König Franz von Frankreich versuchte, sein Land von der Umklammerung der Habsburger zu befreien. Beide Kontrahenten trugen ihre Kriege in Italien aus, wo sie wechselnde Bündnisse mit den italienischen Stadtstaaten und dem Papst pflegten. Landsknechte sind hier auf der Seite von Karl V. sehr ausgiebig im Einsatz. Georg von Frundsberg, der sogenannte Vater der Landsknechte, war hier für den Kaiser aktiv. Wegen ausbleibender Soldzahlungen kam es außerdem zur „Sacco di Roma“, der Plünderung Roms durch aufgebrachte Landsknechte.

 

Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn – Die Bauernkriege

Nach der Reformation durch Martin Luther kam es am Anfang des 16. Jahrhunderts zu Bauernaufständen in fast ganz Deutschland. Zwischen 1525 und 1530 flackerten im ganzen Reichsgebiet Unruhen. Um der Lage Herr zu werden, setzten die Fürsten den Rebellen ebenfalls angeworbene Söldner entgegen. Wenn ihr eine Armee der Landesfürsten darstellen wollt, dann sind Landsknechte eure Wahl für das Fußvolk. Stehende Heere gab es noch nicht. Die Bauern konnten sich natürlich keine schönen Uniformen leisten, obwohl Florian Geyer den Kern des Odenwälder Bauernheers angeblich auf eigene Kosten mit Uniformen ausgestattet haben soll. Etwa 200 Bauern in schwarzen Uniformen gaben dem Heer seinen Name: der Schwarze Haufen. Ein paar Landsknechte kann man wohl auch unter die Bauern mischen, um den Schwarzen Haufen darzustellen.

 wargames foundryEin Ritter von Wargames Foundry – Trotz zunehmender
Bedeutungslosigkeit sind Ritter auf jeden Fall ein Blickfang!

 

Der linke Flügel der Reformation – Das Täuferreich zu Münster

Unter den Unruhen, die im Zuge der Reformation aufkamen, nimmt das Täuferreich zu Münster eine besondere Rolle ein. Hier gelang es radikalen Reformatoren, eine ganze Stadt zu übernehmen, obwohl der katholische Bischof der Stadt der Reformation prinzipiell sehr zugetan war. Die evangelischen Christen gerieten also untereinander in Streit. So wechselte Münster in kurzer Zeit gleich mehrmals die Konfession. Von katholisch zu evangelisch und dann zum radikalen Täufertum, nur um später wieder zum Katholizismus zurückzukehren. Das Heer des Fürstbischofs Franz von Waldeck bestand zu einem großen Teil aus angeworbenen Landsknechten. Hinzu kamen Truppen, die ihm der Landgraf von Hessen – ebenfalls Landsknechte – zur Verfügung stellte. Vom radikalen Protestantismus überzeugt, kämpften anscheinend auch einige Landsknechte auf der Seite der Täufer, dabei dürfte es sich aber allenfalls wenige Berufssoldaten gehandelt haben, die die Rolle von Offizieren übernahmen.

 

Die Confessio Augustana – Der Krieg gegen den Schmalkaldischen Bund

Nachdem Kaiser Karl V. mit drastischen Mitteln gegen die reformatorischen Bewegungen im Heiligen Römischen Reich vorgegangen war, bildeten evangelische Fürsten in den 1530er Jahren ein Bündnis, um ihre Forderungen durchzusetzen. Neben einer religiösen Freiheit für die Fürsten forderten sie auch weitere politische Macht. Der Bund stellte ein durchaus beeindruckendes Heer auf, dem der Kaiser zunächst wenig entgegenzusetzen hatte. Erst 1547 gelang es dem Kaiser, die Truppen des Bundes zu besiegen. Auf beiden Seiten wurden viele Söldner angeworben, Landsknechte lassen sich hier also wunderbar für alle Beteiligten nutzen.

 

Die Eroberung des Goldenen Apfels – Die erste türkische Belagerung von Wien

Karl V. hatte vor allem deshalb nicht genug Soldaten, um gegen seine Fürsten zu kämpfen, weil er an der Süd-Ost-Grenze seines Reichs einen langen Krieg gegen das osmanische Reich führte. Von 1526 bis 1555 – also im Grunde bis zum Ende seiner Regierungszeit – musste der Kaiser hier massive Truppenverbände einsetzen. 1529 kam es zur Belagerung von Wien. Da der Kaiser allerorten Landsknechte für sich kämpfen ließ, ist das auch hier anzunehmen. Natürlich werden auch viele osteuropäische Kämpfer gegen die Osmanen gekämpft haben, ein reines Heer aus Landsknechten ist also eher unwahrscheinlich, aber vielleicht macht das gerade den Reiz aus.

 

Das Stadtleben des 16. Jahrhunderts – von Pro Gloria Miniatures schön in Szene gesetzt!

 

Die Schwarze Bande – Landsknechte im Dienst anderer Nationen

Obwohl der Kaiser es verboten hatte, kämpften Landsknechte auch für andere Herrscher. Das lag vor allem an der chronischen Finanznot von Kaiser Maximilian und Kaiser Karl. Es blieb praktisch nicht aus, dass die Söldner sich andere Herren suchen mussten. Darunter fanden sich unter anderem der französische König, der zum einen sehr häufig Söldner aus der Schweiz anheuerte, aber zum anderen auch mit einem Verband aus mehr als 10.000 deutschen Landsknechten nach Italien zog, um gegen die Truppen Karls V. zu kämpfen. 1525 vernichteten in der Schlacht von Pavia die Landsknechte Karls ihre Kameraden in französischen Diensten – die sogenannte Schwarze Bande, die zuvor bereits für den dänischen König gekämpft hatte.
Die Kampfweise der Landsknechte wurde von anderen europäischen Kämpfern übernommen, ohne dabei zwingend deren Qualität zu erreichen. Mit dem zunehmenden Bedeutungsverlusts der Nahkampfwaffen gegenüber den Feuerwaffen verloren die Landsknechte immer mehr an Bedeutung – ebenso wie das Söldnerwesen selbst. Ende des 17. Jahrhunderts wird das Söldnerheer vom sogenannten stehenden Heer nach und nach abgelöst.

 Artizan Landsknechte
Artizan Design bietet solide Landsknechte und Schweizer an.

 

Wider Orks und Untote – Landsknechte im Fantasy-Tabletop

Der Landsknecht des 16. Jahrhunderts ist optisch der Prototyp des imperialen Soldaten für Warhammer Fantasy. Auch Kings of War von Mantic Games spricht von Pikenieren und Musketieren in seiner Armeeliste für Menschen. Klassische Landsknecht-Modelle lassen sich also auch wunderbar in fiktionalen Welten einsetzen. Freilich sind zusätzliche Fantasy-Elemente nötig, denn Kaiser Karl V. ritt leider keinen weißen Pegasus in die Schlacht, aber der Kern einer menschlichen Fantasy-Armee lässt sich hervorragend mit diesen Modellen darstellen. Sie sind bunt, haben irre Kleidung, wilde Bärte und einen fragwürdigen Ruf als Plünderer. Was will man mehr?

 

Kein Geld, kein Landsknecht – Wo gibt es die Modelle?

Wie ich bereits schon einmal hier schrieb, liebe ich die Modelle von Pro Gloria Miniatures. Von Pro Gloria läuft gerade eine Indigogo Kampagne zur Finanzierung einer Kunststoffbox der Landsknechte. Praktischerweise sind wir eine werbefreie Plattform und so kann ich ganz ungeniert und frei von irgendwelchen Schwierigkeiten mit Werbepartnern meine ehrliche Meinung rauskloppen:

Unterstützt Pro Gloria bei der Kampagne!

Hinter der Firma stehen ganz normale Jungs aus dem Hobby mit regulären Berufen und einem Traum, den sie mit uns teilen. Davon lebt unser Hobby und ich finde, wir sollten sowas unterstützen. Wenn ich den soundsovielten Kickstarter von einer namenhaften Firma im Wargaming-Bereich sehe, der schon nach zwei Tagen gesichert ist, obwohl die Firma es gar nicht nötig hat und die Plattform nur zum Vorverkauf missbraucht, gleichzeitig aber ambitionierte Hobby-Projekte nicht zustande kommen, beginne ich ehrlich gesagt ein bisschen an unserer Szene zu zweifeln. Schönere Landsknechte werdet ihr jedenfalls nirgendwo bekommen und erst recht nicht aus Kunststoff.

 

3-Ups der Kunststoffmodelle von Pro Gloria.

Ebenfalls recht gut sortiert auf dem Markt sind Wargames Foundry und Artizan Design. Beide beiten ebenfalls Landsknechte an. Die sind durchaus ihre Preis wert, im Falle von Artizan muss man aber noch einiges nacharbeiten, weil die Modelle viele Gussreste haben. Die sind bei Wargames Foundry nicht so massig vorhanden, dafür ist hier der Preis oft etwas hoch. The Assault Groupe bietet ebenfalls ein paar wenige Landsknechte an, vor allem in Form von Türken und Franzosen deren Gegner. Außerdem findet man hier ein breites Angebot osteuropäischer Truppen dieser Zeit.

Über Sir Leon

Mehr Spieler als Maler, mehr Sammler als Fertigsteller, seit 1995 im Wargaming-Hobby, starke Tendenz zu historischen Systemen und Massenschlachten. Trotzdem ist 28mm der bevorzugte Maßstab. Großes Interesse für das 18. und 19. Jahrhundert in Nordamerika und das europäische Mittelalter. Kommt beruflich aber zu selten zum Spielen und hält sich daher mit (alt)klugen Worten im Blog oder Foren bei der (Hobby-)Stange.