Crisis 2014 in Antwerpen

Es war einmal mehr Convention-Zeit für uns. Nach Bit-Box, Spielzug und Spielemesse geht mit der Crisis für uns das Veranstaltungsjahr zu Ende.

An Allerheiligen fuhren wir mit vier Autos aus drei Städten los und trafen pünktlich zur Eröffnung der Messe am Hafen von Antwerpen ein. Trotz schönem Wetter und dem Feiertag, war die Convention sehr gut besucht. Es kam aber zu keinem Gedrängel, denn im Gegensatz zum letzten Jahr wurde auch die zweite Halle vollständig genutzt, was auch für eine deutlich bessere Luft sorgte.

Der große Vorteil der Crisis ist die Nähe zu England, gleichzeitig verlässt man aber den Euro-Raum nicht. Dinge, die sonst nur schwierig zu bekommen sind, kann man hier gleich einpacken und mitnehmen. Oft entdeckt man auch ganz neue Dinge und kann Systeme an den vielen Demo-Tischen ausprobieren. Und wir reden hier nicht von der 120×120 cm Platte von der Stange…

Der Goodie-Bag den jeder Besucher erhielt. Neben was zum lesen und zum knabbern war die diesjährige Exklusivminiatur eine Darstellung des belgischen Königs Albert des Ersten. Abgerundet wurde dies Durch einen Satz Napoleonischer Soldaten nebst Basen und einem Template

Der Goodie-Bag, den jeder Besucher erhielt. Neben was zum lesen und zum knabbern war die diesjährige Exklusivminiatur eine Darstellung des belgischen Königs Albert I. Abgerundet wurde dies durch einen Satz napoleonischer Soldaten nebst Basen und einer Schablone

Sir Leon:
Ich liebe die Crisis. Sie ist der absolute Höhepunkt meines Convention-Jahres, weil der Fokus der Messe eher international ausgerichtet ist. In Deutschland liegt der Schwerpunkt immer auf fiktionalen Systemen, die machen auf der Crisis aber nicht einmal die Hälfte des Angebots aus, weil in anderen Ländern die historischen Systeme einen viel höheren Stellenwert haben, als bei uns. Dieses Jahr habe ich mich überwiegend von Modellen ferngehalten, was zwar wieder einmal nicht hundertprozentig funktioniert hat, zusammenfassend habe ich meinen Vorsatz aber erfüllt: Lücken für Projekte schließen. Ich habe daher vor allem Bases, Gelände und Spielmaterialien mit nach Hause getragen. Obwohl ich ein großer Fan von 4Grounds bin, habe ich auf der Crisis aber dann doch das Gelände von War Bases gekauft. Das muss ich zwar noch selbst bemalen und es ist nicht so detailliert, dafür aber deutlich günstiger und es lässt sich noch besser individualisieren. Hier kamen jeweils ein Western-Häuschen und eins für den FIW in meinen Rucksack. Einige Verlustmarker und letzte Lückenfüller von Xyston habe ich noch mitgenommen, um meine Armee für Hail Caesar in 15mm voran zu treiben.
Außerdem habe ich mir Multi- und Regimentsbases für meine WAB-Armeen und für Dux Britanniarum gekauft. Hier bin ich nicht ganz zufrieden, weil die Bases nicht hundertprozentig in die Öffnungen der Multibases passen, aber mit etwas Sandpapier sollte sich das lösen lassen. Ich musste außerdem meinen Bestand an DBA-Bases auffüllen, der dürfte jetzt aber bis zur Rente reichen. Was ich leider nicht bekommen habe, sind LBM-Decals für meine spätkaiserlichen Römer.
Am besten war, dass die zweite Halle jetzt komplett genutzt wurde. Letztes Jahr war da echt die Hölle los. Außerdem gab es tolle neue Spieltische zu sehen. Mir hat vor allem das französische Fort in Kanada gefallen, dem sich durch einen Wald eine Kolonne Briten näherte. Schön in Szene gesetzt. Tendenziell waren dieses Jahr mehr Händler da, deren Angebot mich interessiert hat und zumindest gefühlt weniger Mainstream-Systeme. Ich fahre ja nicht auf die Crisis, um Modelle zu kaufen, die ich auch in Düsseldorf im Laden bekomme. Ich habe außerdem wieder viele Leute getroffen, die man sonst selten sieht, weil man halt über ganz Deutschland verteilt wohnt. Besonders grüßen möchte ich an dieser Stelle die Jungs von Pro Gloria. Es war mir ein Vergnügen, auch wenn ich am Ende sehr plötzlich aufbrechen musste.
Negativ ist mir aufgefallen, dass Fireforge Games nicht da war.  Obwohl es viele schöne Spieltische gab, fehlte mir außerdem irgendwie der richtige Kracher. Mag aber daran liegen, dass recht viele Demos zu den beiden Weltkriegen gegeben wurden und mich das einfach nicht so sehr reizt.

Entilzar:
Was? Kein Nieselregen, der Parkplatz keine Schlammwüste und keine von Frittenfett durchsetzte Luft die einem die Brille beschlagen lässt; ist das noch meine Crisis? Ja!
Bei bestem Wetter und mit noch größerer Halle zeigte sich in meinen Augen die Crisis wieder mal von ihrer besten Seite. Interessante Spielplatten, freundliche Händler mit ungewohntem Sortiment und ein Paradies für Kroser und Schnäppchenjäger. Dieses Gesamtpaket lässt die Crisis in meinen Augen nochmals zu dem Event des Jahres für alle Miniaturensammler und Spieler werden. Die SPIEL in Essen mag vielleicht mehr Neuheiten und einen internationaleren Touch bieten aber die Crisis hat mehr Seele und Herzblut und ist eindeutig von Hobbyisten für Hobbyisten.

meine Beute dieses Jahr, was historisches für Bolt Action, jede Menge Relic Knights und was für den Tisch und zum Basteln

Meine Beute dieses Jahr: was historisches für Bolt Action, jede Menge Relic Knights und was für den Tisch und zum Basteln

 

hel:

Der Tag auf der Crisis war dieses Jahr wirklich ein entspannter. Es gab jede Menge zu sehen, wobei Aufwand und Kreativität bei den Demo-/Spielplatten wirklich wieder auf einem sehr hohen Niveau lagen. Vereinzelt finden sich auch immer wieder ein paar Enthusiasten, die ihrer Demo durch einen Auftritt in passendem Outfit den letzten Schliff geben.

Hier ein paar meiner Eindrücke:

Obwohl es am Anfang sehr voll schien, fand sich auch auf dieser Messe wieder genug Zeit, mit dem ein oder anderen Besucher und Aussteller ein wenig zu quatschen und ein paar neue Ideen und Motivation für die nächsten Projekte zu bekommen. Natürlich blieb dabei auch mein Geldbeutel nicht verschont, und es wanderten ein paar 4Ground-Häuschen für die Freebooters Fate – Platte, ein paar (mehr) Black Scorpion – Cowboys und noch so ein paar Kleinigkeiten in meine Tüten.

Insgesamt war die Crisis auch dieses Jahr wieder der gemütliche Abschluss des Messejahres, auf dem man die Inspiration für die Projekte des nächsten Jahres sammelt.

FerroMetall:

Dieses Jahr war nun mein dritter Besuch auf der Crisis und im Gegensatz zu den Jahren davor wollte ich diesmal was anderes machen und mich weniger auf ein System beschränken. Ich wollte das Event auf mich wirken lassen, die Platten bestaunen und mich vermehrt zu Spontankäufen hinreißen lassen. Dennoch wäre es gelogen zu behaupten, das ich nicht doch einige Ideen im Kopf hatte, als ich in das Auto Richtung Belgien stieg.

So steuerte ich nach dem Betreten der Halle den Stand von Warlord Games an (natürlich ;)). Diese hatten einen neuen Kampagnenband “From D-Day to Normandy” veröffentlicht, den ich mir gleich als erstes geschnappt habe. Neben dem Buch habe ich mich noch ein wenig am Stand umgesehen. Im Gegensatz zur SPIEL bringt Warlord Games auf der Crisis auch immer ein paar Resin-Bausätze mit, die sonst über die Mail Order bezogen werden müssen. Neben zahlreicher Flammpanzer (Flamnpanzer “Hetzer”; Crocodile; HANOMAG als Flammpanzerwagen etc. => ein Schelm wer böses dabei denkt) fiel mir der Panzerjäger SU-100 der Roten Armee auf. Ich mochte diesen “Cat Killer” schon immer und habe ihm meinem Einkaufsbeutel dann auch zugeführt, um eine weitere Lücke zu stopfen. So ist eben der “Ferro”: bei all dem zahlreichen Powergamer-Gefährt schnappt er sich ein Fahrzeug, dessen Preis/Leistungs-Verhältnis im eigentlichen Spiel eher gering ist. Ich bin und bleibe halt ein Fluffgamer…

Crisis 2014 Ausbeute WW2

Crisis 2014 – Ausbeute WW2

 

Zwar war dies mein letzter Kauf beim Branchenriesen auf diese Veranstaltung, doch die Panzerjagd war noch nicht zu Ende. Durch meine Quellen wusste ich, dass “The Great Escape Games” wieder auf der Crisis waren und das diese die schicken Fahrzeuge von “Die Waffenkammer” dabei hatten. Tatsächlich standen sie dort wie schon 2013 aufgereiht und da ich wusste, dass “Die Waffenkammer” das (meiner Meinung nach) schickste Modell eines Sturmgeschütz IV auf dem Markt haben, habe ich es mir sofort gekrallt. Den Kauf bereue ich nicht, denn das Modell ist wirklich toll und wird in Zukunft auch Thema eines Artikels hier auf der Seite sein.

Nun trat das Unternehmen “Crisis 2014” in eine interessante Phase ein. Die Sachen, die ich eingeplant hatte (StuG IV und das Kampagnenbuch) waren im Sack, aber wie ging es jetzt weiter? Entspannt schlenderte ich durch die vollen hallen und entschied, dem “Bring and Buy” einem Besuch abzustatten, um dort ein Schnäppchen zu machen. Und es hat sich gelohnt, denn hier konnte ich mir gleich zwei Modellbausätze von Tamiya in 1:48  schnappen, die es so nicht mehr im Handel gibt. Allein dafür hat sich die Reise schon gelohnt.

Nach etwa 90 Minuten Crisis hatte ich nun also vier Panzer im Sack: Panzer-Ferro hat wieder neue Spielzeuge :D.

Bereits jetzt machte sich ein Gefühl der Zufriedenheit breit. Ich hatte was ich wollte und sogar etwas mehr. Dennoch hatte ich noch Zeit, also was konnte man noch machen? Ich entschied mich, mein Mittelalterprojekt anzugehen, dass mir schon seit längerer Zeit im Kopf rumspukte. Zuerst brauchte ich die Figur einer edlen Dame, die gleichzeitig erhaben und attraktiv war. Das gestaltete sich etwas schwerer als gedacht. Fantasy-Figuren sind oft extrem überzeichnet, während historisch genaue Figuren bisweilen zu unspektakulär rüberkommen. Fündig wurde ich zum Glück dann nach zahlreichen vergeben Versuchen an einem Stand, der eine nette Range von “Game of Thrones” Figuren im Angebot hatte. Das war ein echter Glücksfund, denn die Figuren waren ideal für meine Pläne geeignet.

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Crisis 2014 – Ausbeute Mittelalter (aka Project X)

 

Als nächstes benötigte ich noch etwas Fußvolk, aber das zu einem annehmbaren Preis zu bekommen, ist gerade auf der Crisis nun kein Problem. Am Ende hatte ich die Tüten voll und war glücklich. Ich weiß nicht, ob ihr dieses Gefühl kennt, wenn ihr eigentlich zu viel Geld ausgegeben habt, aber dennoch eurer Belohnungszentrum im Hirn stimulieren konntet: quasi die bitter süße Mischung aus Zufriedenheit und einem unerklärlichen, schlechtem Gewissen.

Die Plastic Soldier Company hatte mit die schönste Platte.

Die Plastic Soldier Company hatte mit die schönste Platte.

Nun begann die finale Phase der Crisis. Nach einem Abstecher zum Mittagessen mit meinen Vereinsgenossen, kehrte ich zurück in die Halle und genoss den Rest der Zeit, in dem ich mir die Platten anschaute. Wieder einmal haben sich die Clubs ins Zeug gelegt. Unter den Platten, die mir besonders ins Auge gefallen sind, waren u. a. Tannenberg 1914, die Schlacht bei Sharpsburg (Amerikanischer Bürgerkrieg) sowie ein nettes Wüstendiorama, das von der Plastic Soldier Company aufgestellt worden war.

Zum Schluss konnte ich dann aber doch nicht widerstehen und habe noch mal bei “Black Scorpion” die Börse gezückt. Vier Euro für eine Mini sind zwar etwas teuer, aber bei der kecken Dame konnte ich einfach nicht nein sagen ^.^

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Crisis 2014 – Sahnehäubchen (Medic von Black Scorpion; das Bild dient nur der Illustration und ist nicht das finale Stadium)

 

Das war also “meine Crisis 2014. Viel Geld wurde ausgegeben (auch wenn die Geldbörse trotz allem nicht leer war :D) und viele neue Modelle konnten erstanden werden. Ob diese auch alle jemals bemalt werden, wissen im Moment nur die Götter (in der Regel habe ich eine Differenz von drei Monaten -> was ich z. B. im April kaufe ist im Juli  fertig bemalt), aber das ist mir im Moment egal.

Hier noch das obligatorische Kurzfazit:

Pro:

  • Gute Raumaufteilung (endlich war wieder die hintere Halle wieder komplett verfügbar. Dadurch wirkte das Event leerer, aber nicht mehr so dich gedrängt wie noch 2013).
  • Eine gefühlt bessere Lüftung (der eklige Fettgeruch der „Feldküche“ aus dem letzten Jahr schien zumindest nicht mehr so penetrant).
  • Drei besondere Fahrzeuge für das Arsenal bekommen und Project X ist zumindest einen Schritt weiter.

Contra:

  • Warlord Games hatte anscheinend den Panzer IV nicht fertig bekommen; jedenfalls habe ich ihn nicht gesehen.
  • Auch die Panzer von Rubicon-Models habe ich nirgendwo zu kaufen gesehen (Fantasy Warehouse schien nur Demoobjekte zu haben).
  • Die Beleuchtung könnte besser sein; teilweise waren manche Platten und Stände sehr dunkel und schlecht ausgeleuchtet.

Über Sir Leon

Mehr Spieler als Maler, mehr Sammler als Fertigsteller, seit 1995 im Wargaming-Hobby, starke Tendenz zu historischen Systemen und Massenschlachten. Trotzdem ist 28mm der bevorzugte Maßstab. Großes Interesse für das 18. und 19. Jahrhundert in Nordamerika und das europäische Mittelalter. Kommt beruflich aber zu selten zum Spielen und hält sich daher mit (alt)klugen Worten im Blog oder Foren bei der (Hobby-)Stange.